Der Dachausbau von Architekt Domenig soll mehr Raum für das Ronache schaffen – und ihm ein modernes Image geben.

Visualisierung: VBW/ALEXANDER CH. WULZ

... – die Kritik an den hohen Kosten bleibt bestehen

Wien – Die Umgestaltung der Wiener Musiktheaterlandschaft geht weiter: Nach der Neuprogrammierung des Theaters an der Wien als Opernhaus ist nun das Ronacher an der Reihe. Die Verträge mit dem Siegerteam des zweistufigen Wettbewerbs rund um Günter Domenig und Gerhard Wallner sind bereits unterzeichnet, mit den Bauvorbereitungen wird ab sofort begonnen.

Man wolle dem "schleichenden Substanzverlust" des denkmalgeschützten Etablissements zuvorkommen, begründet Franz Häußler, Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien, die "Funktionssanierung". Hauptargument für das insgesamt 46,8 Millionen Euro teure Projekt ist laut SP-Finanzstadtrat Sepp Rieder freilich die "Schaffung von Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Theaterbetrieb". Was in der Vergangenheit oftmals angezweifelt wurde – nicht nur die Opposition hat die enormen Investitionen in Wiens zweite Musicalbühne (neben dem Raimund-Theater) infrage gestellt.

Die konkreten Umbaupläne wurden am Dienstag präsentiert: Die augenfälligste Neuerung ist ein gläserner Aufbau auf dem Dach, wo auf zwei Geschoßen Proberäume, eine Kantine und eine Studiobühne für 100 Zuseher Platz finden. Das Dach und die Fassade können geöffnet werden, wodurch eine Open-Air-Bühne entsteht. Parallel dazu wird in die Tiefe gebaut: Zwei zusätzliche Kellergeschoße ermöglichen eine Unterbühne und weitere Nebenräume. Die Sicht- und akustischen Verhältnisse sollen durch heb-und senkbare Podeste und ei- ne Vergrößerung des Orchestergrabens verbessert werden.

Nach der Präsentation kritisierte VP-Kultursprecher Andreas Salcher neuerlich Investitionen in "überalterte Theaterfantasien" anstatt in "zukunftsweisendere Projekte" wie Musik- oder Filmschulen. BZÖ-Klubobmann Günther Barnet will das Geld lieber in "bei der Bevölkerung beliebte Kleinbühnen" fließen sehen.

Rieder wies darauf hin, dass die Mittel für die Sanierung aus dem Finanzressort kämen und nicht das Kulturbudget belasten würden. Ein Teil der Finanzierung – für 15 Jahre ab Fertigstellung – wurde durch einen Kredit aufgebracht.

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) ist überzeugt, dass das Ronacher nun zu einem "urbanen und anspruchsvollen Musikunterhaltungstheater" würde. Ab Oktober 2007 steht das rundum modernisierte Ronacher dann für die Pläne von Musical-Intendantin Katrin Zechner zur Verfügung. (kri/DER STANDARD, Printausgabe, 22.06.2005)