Wien - Die reichsten Österreicher kommen aus Deutschland: Friedrich Karl Flick hält über seine Flick'sche Privatstiftung in Österreich ein Vermögen von 6,1 Mrd. Euro.

Nummer zwei unter den Stiftern ist laut einer Aufstellung der SP-nahen Österreichischen Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung (ÖGPP) die Deutsche Heide Horten mit ihrer "Humana-und Privatissimo-Stiftung" (3,1 Mrd. Euro).

Der erste Österreicher folgt mit Billa-Gründer Karl Wlaschek auf Rang drei der Liste (2,9 Mrd. Euro). Immerhin noch auf ein Stiftungsvermögen von mehr als einer Milliarde Euro kommen fünf weitere Stifter: Ex-VW-Chef Ferdinand Piëch, Franz Mayr Melnhof-Saurau, Melinda Esterházy sowie die Industriellen Gernot Langes-Swarowski, Michael Kaufmann und Thomas Prinzhorn, Letzterer ist auch FP-Politiker und Dritter Nationalratspräsident.

2500 österreichischen Privatstiftungen

Weitere prominente Stifter: Krone-Chef Hans Dichand, sein ehemaliger Partner Kurt Falk, Ex-SP-Finanzminister Hannes Androsch und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein. Insgesamt sind nach unterschiedlichen Schätzungen in 2500 österreichischen Privatstiftungen 20 bis 45 Mrd. Euro steuerschonend geparkt.

Eine offizielle Liste aller Privatstiftungen gibt es nicht, weshalb die ÖGPP für ihren "Armuts- und Reichtumsbericht" verschiedene Quellen zusammengefasst hat. Das 1993 geschaffene Stiftungsrecht machte Österreich nach Ansicht der ÖGPP zum "Steuerparadies" für Privatstiftungen. Steuerfrei sind Dividenden aus in- und ausländischen Aktien, die direkt oder in österreichischen Fonds gehalten werden, sowie alle Einkünfte aus Kursgewinnen von Anleihen und direkt gehaltenen Aktien.

Kursgewinne von Aktien in Fonds werden mit einer "Zwischensteuer" von 2,5 Prozent belegt, Dividenden aus Aktien ausländischer Fonds werden mit 12,5 Prozent besteuert. Wer eine Stiftung gründet, muss fünf Prozent des eingebrachten Vermögens als Eingangssteuer bezahlen.

Steuersparend

Wird Kapital aus der Stiftung entnommen (etwa in Form eines laufenden Einkommens oder bei Auflösung der Stiftung), werden 25 Prozent Steuer fällig (abzüglich der zuvor entrichteten Zwischensteuern). Auch bei der Erbschaftssteuer werden Stiftungen begünstigt. Und die Banken entdeckten die Stiftungen.

So wurden Beteiligungstöchter und Fondsgesellschaften in Stiftungen ausgelagert, was aber auch Kritik hervorgerufen hat. Es handle sich um unzulässige Selbstzweckstiftungen ohne nach außen gerichteten Stiftungszweck, meinte dazu Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer zu Jahresende 2004. (APA, red, (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.06.2005)