Mailand - Die italienische Justiz hat Haftbefehle gegen 13 US-Geheimdienstbeamte wegen des Verdachts der Entführung eines islamischen Geistlichen erlassen. Der Imam einer Moschee in Mailand soll nach italienischen Medienberichten im Februar 2003 in Mailand auf offener Straße von CIA-Agenten aufgegriffen und aus Italien über Deutschland nach Ägypten zum Verhör ausgeflogen worden sein.Abu Omar sei dort auch gefoltert worden, hieß es. Eine parlamentarische Kontrollkommission soll jetzt prüfen, ob italienische Geheimdienste von der Entführung wussten, berichtete die Zeitung Corriere della Sera am Wochenende. Mit der Entführung hätten die CIA-Beamten nicht nur die Souveränität Italiens verletzt, sondern auch laufende Ermittlungen gegen Terroristen behindert, heißt es in Justizkreisen. Gegen Abu Omar hätten Anfang 2003 bereits die italienischen Behörden wegen Terrorismus ermittelt. Er soll Verbindungen zur Gruppe Ansar al-Islam gehabt haben. Der Mailänder Untersuchungsrichter erließ auch Haftbefehl gegen den Imam. Die Staatsanwaltschaft versuche derzeit, die ägyptische Regierung zur Rückführung des Verschleppten nach Italien zu überreden. (dpa, red/DER STANDARD, Printausgabe, 26.6.2005)