Wien - Aufpassen heißt es ab 1. Juli für die Autofahrer: Das neue Vormerksystem, auch als "Punkteführerschein" bekannt, tritt in Kraft. Wer ab dem Zeitpunkt bei Rot über die Ampel fährt oder auf der Autobahn drängelt, kassiert nicht nur eine Geldstrafe, sondern auch eine Eintragung im Register. Kommt innerhalb von zwei Jahren ein weiteres Delikt dazu, gibt es eine Nachschulung, beim dritten Vergehen ist der rosa Schein für drei Monate weg.

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Wien - Zehn Jahre wurde darüber debattiert, am 1. Juli 2005 brechen nun endgültig neue Zeiten für die heimischen Autofahrer an: Das Vormerksystem tritt in Kraft. Wer ein so genanntes Vormerkdelikt begeht, bekommt eine Eintragung ins örtliche Führerscheinregister. Wer innerhalb von zwei Jahren einen zweiten Verstoß gegen eines der 13 Vormerkdelikte begeht, muss entweder ein Fahrsicherheitstraining, eine Nachschulung, eine Perfektionsfahrt oder einen Erste-Hilfe-Kurse absolvieren - je nachdem, um welches Delikt es sich handelt. Wer innerhalb dieser zwei Jahre ein drittes Mal beim Verstoß erwischt wird, dem wird der Führerschein drei Monate lang entzogen. Dagegen wird eine Vormerkung nach zwei Jahren automatisch gelöscht, wenn sich die betreffenden Autofahrer kein weiteres Delikt zuschulden kommen lassen. (moe, DER STANDARD Printausgabe 25/26.6.2005)

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Vormerksystem

Am kommenden Freitag tritt die 7. Novelle des Führerscheingesetzes in Kraft - und damit das Vormerksystem. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten. Frage:

Welche Delikte betreffen mich als normalen Autofahrer?

Antwort: Neun der insgesamt 13 Punkte. Grob kann man sie in drei Gruppen einteilen. Erstens solche im Zusammenhang mit Verkehrs-und Lichtzeichen: die Nichtbeachtung des "Stopp"-Schildes, das Überfahren einer roten Ampel, und das Überfahren von geschlossenen Eisenbahnschranken. Zweitens solche bei der Straßenbenützung: Gefährdung von Fußgängern am Schutzweg, Befahren des Pannenstreifens, Lenken eines Kraftfahrzeuges mit 0,5 bis 0,8 Promille und das Ignorieren des Sicherheitsabstandes. Und Drittens technische Delikte: das Fahren mit einem Auto in technisch mangelhaftem Zustand und mangelnde Kindersicherung.

Was passiert, wenn ich bei einem dieser Delikte erwischt werde?

Antwort: Zunächst einmal dasselbe wie bisher: Sie müssen Strafe zahlen. Zusätzlich werden Sie informiert, dass eine Vormerkung vorliegt.

Bekomme ich zwei Vormerkungen, wenn ich zwei Delikte gleichzeitig begehe?

Antwort: Nein. Wer beispielsweise eine rote Ampel überfährt und dabei gleichzeitig einen Fußgänger auf dem Schutzweg gefährdet, muss nur mit einer einzigen Vormerkung rechnen.

Kann ich mich wehren?

Antwort: Ja, Sie können gegen eine Strafverfügung innerhalb von zwei Wochen Einspruch erheben. Wird diesem nicht stattgegeben, wird die Strafe rechtskräftig, und die Eintragung ins Vormerksystem erfolgt.

Haben die Vormerkungen noch andere Auswirkungen?

Antwort: Ja. Bei schweren Verkehrsdelikten, die den sofortigen Führerscheinentzug zur Folge haben. Für jedes gespeicherte Vormerkdelikt verlängert sich der Entzug nämlich für zwei Wochen.

Was soll das System bringen?

Antwort: Die Hoffnung ist, "Hochrisikolenker" besser zu erkennen. Im Verkehrsministerium rechnet man, dadurch mindestens 55 Verkehrstote weniger im Jahr erreichen zu können.

Was kostet das Vormerksystem eigentlich?

Im Begutachtungsentwurf ging das Ministerium noch von über 332.000 Euro pro Jahr aus.