Sofia - Der Einzug der extrem nationalistischen und populistischen bulgarischen Partei Ataka (Attacke) ins Parlament hat die etablierten Parteien überrascht. "Ataka hat das Parlament erobert", "Faschismus im Parlament", "Verzweifelte Bulgaren wählten Ataka" hieß es am Sonntag auf den Titelseiten bulgarischer Zeitungen zum 8-Prozent-Wahlerfolg der erst vor eineinhalb Monaten gegründeten Partei.

Ataka könnte dennoch einen ernüchternden Einfluss auf die zerstrittenen Parteien haben, die ins neue Parlament einziehen werden, meinten Politologen am Sonntag. Denn Ataka wendet sich gegen alle politischen Prioritäten des Balkanlandes, die sowohl von den rechten, als auch von den zentristischen Parteien und den Sozialisten befürwortet werden.

Rassistische Parolen

So ist Ataka gegen die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), gegen die NATO- und EU-Mitgliedschaft Bulgariens, die Stationierung bulgarischer Soldaten im Irak, die geplante Einrichtung von US-Stützpunkten in Bulgarien, den Verkauf von Grund und Boden an Ausländer, die Stilllegung veralteter Reaktoren im Atomkraftwerk Kosloduj an der Donau und gegen die "regierende politische Mafia" sowie die Privatisierung. Zu Zielscheiben der rassistischen Parolen von Ataka wurden die Minderheiten der Türken und der Roma in Bulgarien, obwohl das Balkanland im Unterschied zum benachbarten Jugoslawien mit seinem friedlichen Übergang zur Demokratie als beispielhaft in der Region galt.

Politologen erklärten den Erfolg von Ataka mit der weit verbreiteten Unzufriedenheit und Enttäuschung vieler Menschen sowohl im linken als auch im rechten Spektrum. An der Spitze der Partei steht der Journalist Wolen Siderow (49), der nach der Wende Chefredakteur der Parteizeitung "Demokrazija" des Verbandes der demokratischen Kräfte (SDS) gewesen war. (APA/dpa)