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Begleitet von Österreichs Botschafter Kurt Hengl legte Außen- ministerin Ursula Plassnik am Sonntag in der Holocaust- Gedenkstätte Yad Vashem einen Kranz nieder.

Foto: REUTERS/Ammar Awad
Eine knappe Stunde nimmt sich Ursula Plassnik Zeit und lässt sich an dicht gedrängten Besuchergruppen vorbei durch die erst im Frühjahr erweiterte Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem führen. Lange verweilt die Außenministerin vor den meterlangen Deportationslisten europäischer Juden, mit Akribie erstellt von den Nationalsozialisten und deren Kollaborateuren, die über die Vernichtungskampagne Buch führten, als sei sie ein ganz normaler Verwaltungsakt.

Es fällt ihr schwer, später an diesem Sonntag ihre Eindrücke zu beschreiben. Tief bewegt sei sie natürlich, sagt Plassnik, vom "brutalen Zusammenstoß von heiler Welt und unheiler Welt" spricht sie. In das Gedenkbuch von Yad Vashem schreibt die Ministerin: "Trauernd lernen wir, dass die tiefe Verletzung unheilbar ist. Sie überdauert die Zeiten und sie muss unsere Entscheidungen leiten über die Generationen und Nationen hinweg."

Beziehungen zwischen Österreich und Israel

Plassniks Besuch in Yad Vashem sollte eine Botschaft an Israel wie an jene revisionistischen Politiker zu Hause in Österreich sein, die fünf Jahre zuvor zur diplomatischen Isolierung des Landes beitrugen. Die Beziehungen zwischen Österreich und Israel seien nun wieder vollkommen normalisiert, sagt die Außenministerin. "Ich treffe überall auf den Ausdruck von Wertschätzung und Offenheit." Plassnik war am Sonntag von Staatschef Moshe Katsav empfangen worden und traf später Außenminister Silvan Shalom und Premier Ariel Sharon. Heute, Montag, steht ein Besuch in Ramallah bei Palästinenserpäsident Mahmud Abbas und dessen Regierungschef Ahmed Korei an.

Problemfall Hamas

Plassniks Kurzbesuch in Nahost soll der Vorbereitung der österreichischen EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2006 dienen. Dass es dabei deutliche Meinungsunterschiede zwischen Israel und den Europäern gibt, machte Außenminister Shalom bei einem gemeinsamen Auftritt mit Plassnik klar. Israel erwarte, dass Europa eine klare Position gegenüber der radikalen Palästinensergruppe Hamas einnehme und sich mehr im Friedensprozess engagiere, so Shalom. "Die Hamas versucht Abu Mazen (Mahmud Abbas, Anm.) und die Autonomiebehörde zu unterminieren."

Mitte Juni hatte die Hamas über Gespräche zwischen EU-Diplomaten und gewählten Hamas-Vertretern berichtet. London räumte daraufhin Kontakte ein. Plassnik rief nun wieder die "eindeutige Beschlusslage der EU" in Erinnerung, wonach es keine Gespräche mit der Hamas geben könne, solange diese nicht ihren Verzicht auf Gewalt und Terrorismus erklärt habe. Israels Außenminister reagierte auch scharf auf die Wahl des Hardliners Ahmadi-Nejad zum iranischen Präsidenten: Israel betrachte die Wahl als nicht demokratisch. Mit Blick auf die Verhandlungen der EU mit Teheran über das Atomprogramm des Landes forderte Shalom zu einer "einheitlichen und festen Politik" auf: "Der Westen sollte nicht eine Geisel des iranischen Radikalismus werden." (DER STANDARD, Printausgabe, 26.6.2005)