Sechs Monate sind seit dem Tsunami im Indischen Ozean, bei dem rund 220.000 Menschen starben, vergangen. Die Wiederaufbaumaßnahmen laufen erst langsam an, beklagen die Überlebenden.

Banda Aceh/Wien - Frustriert, in Zelten lebend und ohne Arbeit kämpfen viele Überlebende des Tsunamis rund um den Indischen Ozean sechs Monate nach einer der schlimmsten Naturkatastrophen der Geschichte um den Wiederaufbau. In den am stärksten betroffenen Ländern - Indonesien, Sri Lanka, Indien und Thailand - ärgern sich die Betroffenen, dass der Aufbau der Häuser und Schulen und die Schaffung von Arbeitsplätzen noch kaum begonnen haben. Noch immer bekommen fast zwei Mio. Menschen in der Region ihr Essen durch Hilfslieferungen.

"Ich bin von Lager zu Lager gezogen. Ich möchte einfach nur nach Hause", sagt der 48-jährige Zam Zami Amin, der seine Frau und zwei seiner vier Kinder verloren hat, als die Wellen sein Dorf Deyah Raya in Indonesien getroffen haben. "Ich bin noch immer verwirrt. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich glaube, es ändert sich überhaupt nichts."

Zehn Jahre Arbeit

Die Provinz Aceh im Norden Indonesiens war wie kein zweites Gebiet von dem Tsunami betroffen, bei dem insgesamt über 220.000 Menschen getötet worden sind. Rund 1000 Dörfer und Städte wurden beschädigt oder völlig zerstört. Noch immer ist man vorrangig mit Aufräumarbeiten beschäftigt, der Wiederaufbau läuft erst langsam an. Tatsächlich wird es rund zehn Jahre dauern, um alle Schäden zu beseitigen, schätzte die UNO vergangene Woche.

Bis zu zwei Monaten liege man in Aceh hinter dem Zeitplan, sagen Geberländer. Der Grund: Es gab Verspätungen bei der Einrichtung einer Koordinierungsstelle, die die Arbeiten beaufsichtigt. Seit Anfang Mai werden nun Projekte bewilligt, umgerechnet 2,31 Milliarden Euro stehen zur Verfügung, wurde am Samstag bekannt gegeben.

Qualität des Wiederaufbaus

Bei der Weltbank betont man allerdings die Bedeutung, einen Mittelweg zwischen Geschwindigkeit und Qualität des Wiederaufbaus zu erreichen. "Es ist irrsinnig komplex. Aber im Oktober oder November werden Sie sich ,Wow - hier tut sich etwas' denken", ist Andrew Steer, Chef der Weltbank in Indonesiens Hauptstadt Jakarta überzeugt. Was auch nötig sein wird: Über eine halbe Million Menschen sind in Aceh obdachlos, 120.000 Häuser müssen für sie errichtet werden.

Umgerechnet 9,92 Milliarden Euro wurden den betroffenen Ländern von Regierungen, Hilfsorganisationen und privaten Spendern an Hilfe versprochen, der Großteil muss aber erst ausbezahlt werden.

Österreich hat bisher 28 Millionen Euro an öffentlichen Geldern für konkrete Projekte ausgegeben, deren Umsetzung anläuft. Weit über 50 Millionen Euro kamen seit dem 26. Dezember 2004 durch private Spenden an die diversen Hilfsorganisationen zusammen. (Reuters, APA, moe)