Teheran - Zwar waren die Töne, die der Gewinner der iranischen Präsidentschaftswahl, Mahmud Ahmadi-Nejad, in seiner ersten Pressekonferenz am Sonntag anschlug, durchaus versöhnlich, der scheidende Präsident Mohamed Khatami fühlte sich dennoch bemüßigt, vor einer neuen Linie der iranischen Politik zu warnen: Er sprach sich gegen die gewaltsame Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit in seinem Land aus.

Offensichtlich befürchtet Khatami, dass die radikale Verwirklichung der im Wahlkampf formulierten Ziele Ahmadi-Nejads - die Umverteilung von oben nach unten - auf Gewalt hinauslaufen könnte. "Soziale Gerechtigkeit ist nicht mit Gewalt zu erreichen", zitierte ein iranischer Sender Khatami. "Wenn dies dennoch geschieht, ist sie keine Gerechtigkeit mehr, sondern Unterdrückung, und aus der Geschichte ist bekannt, dass sich Unterdrückung niemals durchsetzt."

Khatami hatte seinen künftigen Nachfolger bereits am Wochenende aufgerufen, den Weg der islamischen Demokratie fortzusetzen. Ahmadi-Nejad gilt jedoch als Gegner der Reformpolitik Khatamis.

Team unverändert

Bei seinem ersten Auftritt nach seinem Wahlsieg hat Ahmadi-Nejad nicht nur innenpolitisch milde Signale ausgesandt, sondern auch betont, dass es keine Änderung der iranischen Atompolitik gebe. Das iranische Team, das mit den EU-3 (Großbritannien, Frankreich, Deutschland) verhandelt, bleibt unverändert.

Die konservativen Medien, allen voran die Zeitung Keyhan, hatten die Verhandler immer wieder scharf angegriffen, weil sie zu sehr auf die Positionen der Europäer eingingen. Die radikale Position im Atomstreit lautet, der Iran solle den Atomsperrvertrag verlassen, wenn ihm das Recht auf Urananreicherung für zivile Zwecke verwehrt werde. (dpa, guha/DER STANDARD, Printausgabe, 28.6.2005)