Ahnungslose Hausfrauen müssen nicht automatisch für die Schulden ihrer Ehemänner haften, selbst wenn sie in der Bank mit unterschrieben haben. Das läßt sich aus einem Urteil des Obersten Gerichtshofs schließen, das der Wiener Rechtsanwalt Benedikt Wallner erwirkt hat. Die Frauen müssen für die Schulden ihrer Gatten dann nicht aufkommen, wenn sich herausstellt, dass ihre Bürgschaft sittenwidrig war. Sittenwidrig ist die Haftung einer BürgIn, wenn sie mit dem Kreditnehmer eng verwandt oder von ihm abhängig ist, sie keine Vorteile aus dem geborgten Geld hat, die ausgeborgte Summe in grobem Missverhältnis zu ihren eigenen finanziellen Mitteln steht und sie von der Bank nicht ausreichend über die Verwendung des Geldes und das Risiko der Bürgschaft aufgeklärt wurde. Konkret ging es bei diesem Gerichtsurteil, über das die Tageszeitung Kurier am Donnerstag berichtet, um eine Wienerin, die über 11 Millionen Schilling für ihren geschiedenen Ehepartner zurückzahlen sollte. Der Mann hatte das Geld für seine Handelsgesellschaft gebraucht. Die Frau wurde nicht nur von ihm zur Unterschrift überredet, sondern auch vom Bankangestellten. "Ich brauche das Geld für die Firma", hatte der Mann ihr als einzige Erklärung angeboten. Die Firma ging pleite. Vom Mann war nichts zu holen, also klagte die Bank die mithaftende Frau. Doch diese schaltete Rechtsanwalt Wallner ein, der argumentierte, dass die geschäftlich unerfahrene und von ihrem Mann wirtschaftlich abhängige Frau über den Tisch gezogen worden sei. Die obersten Richter sahen das auch so. Weil sie für die Schulden ihrer Ehemänner mithaften, geraten viele Frauen in grosse finanzielle Schwierigkeiten. Weil sie oft auch kein eigenes reguläres Einkommen haben, haben sie häufig auch keine Chance, in den Privatkonkurs zu gehen und sich von ihrer übergrossen Schuldenlast wieder zu befreien. Arbeiterkammer und Schuldnerberater verlangen schon lange einen leichtern Zugang zum Privatkonkurs. (lyn)