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Foto: APA/EPA/Bernd Thiessen
Es ist bisweilen notwendig, beim TV den Ton abzudrehen. In der Früh etwa, wenn man sich seelenschonend dem Teletext ohne akustisch-ländliche Fröhlichkeitsattacke widmen will. Bisweilen ist es indes auch beim Fußball Pflicht, das Gerät der Sprache zu berauben. Es bleibt einem so jener, eine ganz eigene Spielwirklichkeit konstruierende ORF-Patriotismus erspart.

Nicht zu vergessen auch die Vorteile eines stummen Politinterviews. Ohne Ton ist der Erkenntniswert weitaus höher (was nicht heißt, dass er sehr hoch ist) als mit den Antworten der Befragten, deren Sätze wirken, als wären sie nur durch freche Fragen unterbrochene Partei-Belangsendungen.

Nun begab sich aber durch den Zufall spätabendlicher Aufräumarbeit der umgekehrte Fall, dass der Fernseher nämlich gewissermaßen zum Radio wurde. Wir nahmen zwar den Ton wahr, aber, im anderen Zimmer putztechnisch unterwegs, sahen kein Bild zum Ton und vernahmen überrascht eine Menge Schreie, die als jugendfrei nicht mehr zu bezeichnen waren.

Unzweideutig war es aber Stefan Raabs Stimme, und die Überraschung wuchs ganz schnell zum Entsetzen. Wie der Witzigmann beim Liebemachen klingt, gehört zu jenen Dingen, die man keinesfalls wissen will. Es war gut, die Situation durch Unterbrechen der Putzarbeit aufzuklären – Raab diente bloß als lebendiger Sandsack in einem Karateklub. Also dort, wo es wirklich wehtut. Dennoch, es wird für uns "TV total" nie wieder das sein, was es einmal war. (tos/DER STANDARD, Printausgabe, 6.7.2005)