London - Berufstätige Eltern, die sich abends intensiv mit ihren Kindern beschäftigen, überfordern diese zum Teil und schaden ihnen dadurch. Diese Warnung gaben KinderpsychologInnen bei einer vom Britischen Familien- und Elterninstitut organisierten Konferenz in London. Wie der "Independent" und die "Times" am Donnerstag berichteten, arbeiten in Großbritannien inzwischen in 60 Prozent aller Familien sowohl Vater wie Mutter. Um ihre Abwesenheit am Tag auszugleichen, widmen sich viele Eltern nach Feierabend intensiv ihren Kindern, spielen und lernen mit ihnen. Warnung Einer amerikanischen Studie zufolge glauben 87 Prozent aller Eltern, je mehr ein Baby oder Kleinkind stimuliert werde, desto besser sei dies für seine Entwicklung. Diese Annahme sei jedoch falsch, sagte Matthew Melmed, Leiter einer US-Stiftung für frühkindliche Entwicklung. Eltern, die viel arbeiten, sich aber in ihrer wenigen Freizeit sehr intensiv mit ihren Kindern beschäftigen, könnten dadurch deren Entwicklung verlangsamen. Solche Kinder hätten später oft Konzentrationsschwierigkeiten und Probleme damit, Freunde zu finden. Viel besser als in strukturierten Spielsitzungen lernen Kinder nach Darstellung Melmeds im Alltag, etwa durch etwas Neues, das sie im Supermarkt sehen. Eine andere Expertin, Elizabeth Howell, ging so weit zu sagen, dass eine Reizüberflutung mit Kindesmissbrauch vergleichbar sei. "Kinder, die mit Reizen bombardiert werden, werden davon überwältigt und schotten sich ab", sagte sie. (APA/dpa)