Einheimische sind noch skeptisch, Musikliebhaber aus Deutschland - sie reisen in Bussen an, um österreichische Orgeln zu erleben - und Korea sind bereits begeistert: Der Orgelsommer im Ausseerland dröhnt sich langsam, aber unüberhörbar zum jährlichen Erlebnis empor.

Disco ist zahm dagegen, ein Woofer ein Kinderspielzeug. Wer sich beim Spielen an eine Orgel lehnt, kann Töne mit jeder Faser spüren, aber auch die Kirchenbank oder der Sessel vibrieren mit. Was eine Orgel mit ihren zum Beispiel 1886 Pfeifen (wie in der Pfarrkirche Grundlsee) alles im Körper zum Schwingen bringt, ist fast schon pornografisch. Bei uns fast ausschließlich der Kirche vorbehalten - nur dort klingt sie ganz aus - begeistert sie schon deshalb leider einen relativ kleinen Kreis meist konservativer Zuhörer, die gerne immer wieder dieselben Stücke gespielt haben möchten.

Es gibt Menschen, die sind ihr verfallen, sind süchtig nach diesem Urklang, und wollen andere mit der Begeisterung anstecken. Wie Günter Köberl aus Altaussee, selbst Orgelspieler, der mit Verbissenheit und Zähigkeit - anders geht gar nicht weiter an neuen Ideen im Ausseerland - seit 2002 einen "Orgelsommer" organisiert. 26 Orgelkonzerte gab es bisher in den verschiedenen Kirchen des Salzkammergutes.

Neuestes "Experiment" waren die "Pipes and Phones" aus dem Raum Stuttgart mit eigenen Werken und Bearbeitungen koreanischer Themen: Peter Schindler (Orgel) und Peter Lehel (Saxofon) sind in Korea Musikhelden und dort stets wie Pop-Größen von Fans umlagert. Ein koreanisches TV-Team begleitete sie deshalb auf einer Europa-Tournee und war auch in Altaussee dabei.

"Ich möchte ungewöhnliche Klänge bringen, die Orgel neu beleben, sie aus der Kirche kommen lassen. Mit überraschenden Stücken, auch von Zeitgenossen, die man dort nie vermuten würde", freut sich Herr Köberl. Was die verschiedenen Pfarrer nicht immer begeistert, aber viele machen doch mit. "Orgelübertragungen auf den See, Bergbeschallungen, das wäre doch herrlich. Und machbar!" Wenn man ihn lässt. Bis dahin kann man sich heuer im Sommer noch drei Kirchenkonzerte "hineindröhnen". (DER STANDARD, Printausgabe vom 9./10.7.2005)