Die Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe (KMSfB) hat gegen die Inhaftierung der Journalistin Judith Miller durch die US-Justizbehörden protestiert. "Wir betrachten dieses Urteil als Einschüchterungsversuch mit dem Ziel, freie Berichterstattung zu verhindern", teilte Gewerkschaftsvorsitzender Peter Paul Skrepek am Samstag in einer Aussendung mit.

"Journalismus am Gängelband von Politik und Wirtschaft steht in krassem Widerspruch zu Demokratie und Menschenrecht. Die Verurteilung von Miller ist ein Anschlag auf das freie Wort!" Regierungen, die dies im eigenen Land zuließen, hätten kein Recht, andere mit erhobenem Zeigefinger zu maßregeln, kritisierte Skrepek.

Miller war am Mittwoch von einem US-Richter zu vier Monaten Beugehaft verurteilt worden, weil sie sich geweigert hatte, eine anonyme Quelle preiszugeben. Der Richter entschied, dass Miller ihre Quellen benennen müsse, da sie sonst die Aufklärung einer mutmaßlichen Straftat behindere. In dem Fall geht es um ihre Recherchen zu der Enttarnung der CIA-Agentin Valerie Plame. Die US-Justiz untersucht, ob Regierungsmitarbeiter deren Identität lüfteten, um sich an ihrem Mann, dem früheren US-Botschafter Joseph Wilson, zu rächen. Wilson hatte nämlich Regierungsangaben zu irakischen Massenvernichtungswaffen kritisiert. Miller hatte recherchiert, wer die Identität der Agentin mit welcher Absicht enthüllt hatte, aber nie einen Artikel darüber geschrieben.

Der ebenfalls in dem Fall belangte Reporter des Nachrichtenmagazins "Time", Matthew Cooper, kam um eine Gefängnisstrafe herum, da er seine Kooperation mit der Justiz zusagte. Cooper sagte, seine Quelle habe ihm am Nachmittag persönlich grünes Licht gegeben, seine Identität preiszugeben. (APA)