Zürich - Aus der Schweiz kommen gute Nachrichten für die EURO 2008. Seit Ende vergangener Woche steht fest, dass auch in Zürich rechtzeitig ein neues Fußballstadion bereit sein wird. Gegen den von Politik und Stimmbürgern genehmigten Neubau des Letzi-grund-Stadions mit 30.000 Plätzen sind keine Rekurse eingegangen, so dass spätestens im Dezember mit dem Bau begonnen werden kann.

Nachdem Anwohner-Proteste die Pläne für einen Neubau des von der Stadtregierung ursprünglich favorisierten Hardturm-Stadions verzögert hatten, stand zu befürchten, dass die EURO die größte Schweizer Stadt auslassen würde. Dass es nun im politischen Schnellverfahren gelungen sei, den Letzigrund-Neubau durchzusetzen, bezeichnete Bürgermeister Elmar Ledergerber als "das Wunder von Zürich", in Anlehnung an das "Wunder von Bern". Unter diesem Namen ist der WM-Titel der deutschen Elf im Berner Wankdorfstadion Anno 1954 ins kollektive Gedächtnis der Deutschen eingegangen.

An der Stelle des Wankdorfstadions steht nun das neue, elegante "Stade de Suisse" mit 32.000 Sitzplätzen; dieses erlebte am Wochenende seine Premiere: Im ersten Spiel in der neuen Arena verloren die Berner Young Boys im UI-Cup gegen Olympique Marseille nach spektakulärem Spiel 2:3. Bern hat somit seine Feuertaufe bestanden, in Zürich ist man endlich auf guten Wegen, in Basel und Genf stehen die neuen Stadien bereits.

Die Schweiz ist also gemeinsam mit Österreich auf Euro-Kurs. Doch nicht nur auf dem Fußballfeld soll das weltweit drittgrößte Sportereignis für Spannung und Spektakel sorgen, sondern auch darüber hinaus: Unter dem Namen "Doppelpass" hat sich ein österreichisch-schweizerisches Team zusammengetan, mit dem Ziel, kulturelle Anlässe rund um die Kickerei stattfinden zu lassen. Tanzdarbietungen und Performances, Modeschauen und Filmabende, Literatur und zeitgenössische Musik, eine Cartoon-Ausstellung oder eine Diskussionsrunde zum Thema Kinderarbeit in der Sportartikel-Herstellung. Dies sind nur einige der Ideen der "Doppelpass"-Initiatoren. Einer der Verantwortlichen ist Martin Heller, der dieser Tage zum künstlerischen Direktor der Kulturhauptstadt Linz 2009 gewählt worden ist. "Etwas Vergleichbares hat es bisher noch nicht gegeben. Bisher wurden Großanlässe von pompösen Eröffnungs- und Schlusszeremonien umrahmt", sagt Heller. "Wir wollen auch vor und nach und zwischen den Wettkämpfen für kulturelle Highlights sorgen. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich sogar eine Wechselwirkung, und es wird bei der EM einen besonders tänzerischen, ästhetischen Fußball geben." (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 18. Juli 2005, Klaus Bonanomi)