Nachgespielt und auf Alt gemacht: Hitler in der Wolfsschanze, kurz bevor die Bombe explodiert.

Foto: RTL 2
Der Morgen des 20. Juli 1944: Theodor Roosevelt kippt im Schlafzimmer des Weißen Hauses aus dem Rollstuhl. Winston Churchill sinniert zigarreschmauchend in Schlafrock und Hausschlapfen über Giftgasangriffe auf Deutschland. Zur selben Zeit tätschelt Josef Stalin seiner Haushälterin, die auf seinem Schoß Platz genommen hat, versonnen den Po. Und Adolf Hitler lässt sich in der Wolfsschanze gerade den Blutdruck messen.

So könnte es doch gewesen sein, dachten sich wohl die Macher der Discovery-Doku "Die Verschwörung - Das Attentat vom 20. Juli" und passten mit großem technischen Aufwand die Geschichte vom Hitler-Attentat den Ansprüchen reißerischer TV-Unterhaltung an. Zu sehen Mittwoch, 20.15 Uhr auf RTL 2.

Die "echten" Szenen stamme allesamt aus dem Computer

Das Gespenstische: Die "echten" Spielszenen entstammen allesamt dem Computer. Um die vier Staatschefs möglichst echt wirken zu lassen, spielten Schauspieler zunächst die Szenen. Am PC wurden ihre Gesichter mit dreidimensionalen Hitler-, Stalin-, Churchill- oder Roosevelt-Masken übermalt. Das dafür verwandte Verfahren CGI (Computer Generated Image) nimmt jede Muskelzelle wahr, jede noch so unscheinbare Bewegung wird übernommen.

Doch das ist noch nicht alles, denn Technikfaszination und Lust am Verkaufsschlager Hitler wurden mehrfach zelebriert: Die Spielszenen sind in ihrer Qualität künstlich so verschlechtert, dass sie wie Wochenschau-Aufnahmen aus den 40er-Jahren wirken.

Fest kommentiert

Es knistert und knackst, immer wieder klecksen Flecke im Bild, ganz so als sei das Material uralt und besonders wertvoll. Für den Zuschauer soll möglichst unklar bleiben, welche Bilder aus dem Archiv stammen und welche nachgestellt sind. Geschnitten ist das Ganze in eindeutiger Anlehnung an die Agentenserie 24: Splitscreens, die bedrohlich pulsierenden Ziffern einer Uhr, digitale Landkarten, die mit einem gläsernen "ping-ping-ping" Orte des Geschehens aufzeigen, und virtuelle Hauspläne erzeugen Spannung. Die Historiker Joachim Fest und Lothar Kettenacker kommentieren und verhelfen zu mehr Authentizität. Historiker beklagen allerdings mangelnde Faktentreue, ein Beispiel: Hitler habe 42 Anschläge überstanden, heißt es im Film. In Wirklichkeit seien es zwei gewesen. Die Produzenten berufen sich auf drei Jahre Recherche.

Die Hitler-Doku wird nicht die letzte ihrer Art bleiben, anscheinend eignet sich die Technologie besonders gut für Monströses: Die BBC stellte vor Jahren mit gleicher Technik Dinosaurier nach. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 20.7.2005)