Graz – "Den Sommer über gibt's für die Parteien kaum etwas zu gewinnen. Aber viel zu verlieren", sagt der Politologe Peter Filzmeier. Vom Gewinnen scheint die steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic momentan weiter entfernt zu sein als von der Gefahr, mit Pannen Terrain zu verlieren.

Kaum war jüngst die Affäre um die Veröffentlichung des ÖVP-"Wahlkampfknigges", in dem zum Vernadern angeleitet wurde, abgeklungen, unterlief Klasnics Büro ein nächster peinlicher Fehler: Klasnic lud zur "Neueröffnung der KZ-Außenstelle Peggau". Der Fauxpas war niemandem im Büro aufgefallen. Die Gedenkstätte war gemeint.

Politikbeobachter wundern sich schon länger. Seit der Affäre um den steirischen Energiekonzern Estag ist die ÖVP merkbar aus dem Tritt geraten und verunsichert. Das Krisen- und PR-Management der Landeshauptmannpartei zeigt seit dem letzten Jahr erstaunliche Schwächen. In der "Sexaffäre" um einen Spitzenbeamten etwa stand Klasnic letztlich da, als habe sie den Beamten mehr geschützt als das Opfer.

Einen Misstrauensantrag gegen sie wollte Klasnic "schwänzen", sie wurde aber von den Abgeordneten zurückbeordert und musste auf dem Weg nach Wien umdrehen. Die nächste Panne: Als im Dezember 2004 das "Aus" für das Red-Bull-"Jahrhundertprojekt" in Spielberg ruchbar wurde, verkündete Klasnic dies in Schwechat und bestieg den Flieger nach New York. Die politische Nachlese des Flops überließ sie der in Graz verbliebenen SPÖ.

Schließlich brach die Affäre um fürstliche Subventionen für den gräflichen Zoo in Herberstein herein, aus der Klasnics Berater bis heute keinen Ausgang fanden. In der ÖVP fürchtet man indessen einen Mann namens Murphy bereits mehr als SPÖ-Herausforderer Franz Voves. Zumindest dessen Gesetz, wonach "alles, was schief gehen kann, auch schief gehen wird". (DER STANDARD, Printausgabe, 29.07.2005)