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RHI-Vorstandschef Helmut Draxler gab sich bei Vorlage der Halbjahreszahlen bedeckt.

Foto: APA/Artinger
Wien - Eine offizielle Entscheidung liegt noch nicht vor. Vieles deutet aber darauf hin, dass der Feuerfestkonzern RHI seine Dämmstoff-Sparte Heraklith verkaufen wird. Ein Börsengang sei zwar eine attraktive Möglichkeit, es werde aber sicher ein Komplettverkauf, wollen höchste Unternehmenskreise bereits wissen.

RHI-Vorstandschef Helmut Draxler gab sich bei Vorlage der Halbjahreszahlen am Donnerstag bedeckt: Es würden alle Varianten geprüft, vom Börsengang über einen Komplettverkauf an einen Investor bis zu einer Mischung aus beidem. Sehr genau weiß Draxler dafür, dass Heraklith gut 200 Millionen Euro wert ist und ein gutes Geschäft werden soll. Es gebe bereits an die 20 Interessenten, darunter auch den ebenfalls im Twin Tower am Wienerberg logierenden Ziegelhersteller Wienerberger.

Nägel mit Köpfen im September

Nägel mit Köpfen will man in der Aufsichtsratssitzung im September machen. Der Grundsatzbeschluss, sich von Heraklith zu trennen, liegt bereits vor. Wünschenswert wäre, sagte Draxler, dass der Käufer die Expansion der Heraklith-Gruppe in Russland mitträgt. Dort könne man auch noch ordentlich verdienen, während der Preisverfall in Europa, allen voran in Deutschland, enorm sei.

Ehe verkauft wird, muss RHI den bereits zu 85 Prozent übernommenen slowenischen Dämmstoffspezialisten Termo voll in den Besitz der Heraklith bringen. Am 16. August läuft das öffentliche Angebot für den Streubesitz aus.

Die Heraklith-Gruppe erwirtschaftete 2004 mit mehr als 2200 Mitarbeitern einen Umsatz von 181,5 Mio. Euro und ein Betriebsergebnis (Ebit) von 10,1 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr 2005 stieg der Umsatz - hauptsächlich dank Termo und Eurovek - um 27 Prozent auf 110,5 Mio. Euro und ein Ebit von sechs Mio. Euro.

"Hätten wir mehr Liquidität, würden wir uns die Heraklith selbst behalten", warb Draxler für das Verkaufsobjekt. Aber wir wollen unsere Feuerfest-Marktführerschaft ausbauen." Außerdem habe RHI keine Synergien mit Heraklith.

Auf dem Weg zu Rekordjahr

Der RHI selbst ist heuer auf dem Weg zu einem neuen Rekordjahr. "Die Auftragsstände bewegen sich auf hohem Niveau. Der Ausblick ist positiv", skizzierte Draxler die Aussichten auf das Gesamtjahr. Abhängig sei der heurige Geschäftserfolg freilich insbesondere von der weiteren Entwicklung der Stahlkonjunktur, die sich auf hohem Niveau zuletzt ein wenig eingebremst habe, und der Euro-Dollar-Relation.

Im ersten Halbjahr 2005 hat der Konzern mit 8549 Mitarbeitern dem Umsatz um 12,5 Prozent auf 711,0 Mio. Euro gesteigert, den Betriebsgewinn (Ebit) um 11,3 auf 62,0 Mio. Euro. Der Gewinn vor Ertragsteuern stieg um 24,9 Prozent auf 48,7 Mio. Euro, der Konzerngewinn verdoppelte sich auf 43,8 Mio. Euro. Wachstum gibt es insbesondere in China, wo 70 Mio. Euro in ein drittes China-Werk investiert werden. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.7.2005)