Wien - Am Ende steht wie jedes Jahr die neue Rekordzahl: 76.000 Zuhörende zählte man 2005 beim Jazzfest Wien, das sich anlässlich seiner 15. Ausgabe erstmals über einen ganzen Monat hinzog. Nach wie vor erweist sich Österreichs größter Jazz-Event als international verwechselbares Sammelsurium. Und doch wird man das diesjährige Jazzfest als das mit der wahrscheinlich geringsten Stammgastdichte in guter Erinnerung behalten.

Prägten sich doch zuallererst rare Legenden wie Michel Legrand oder Langzeitabwesende wie Elvis Costello im Gedächtnis ein - gefolgt von Newcomern von Antony & The Johnsons bis hin zu Amos Lee und Gwyneth Herbert. Weiter so bitte! Wobei das im Hinblick auf Dauergäste Gesagte bezüglich Chick Corea und Bobby McFerrin, die am Freitag im Austria Center den Festivalausklang besorgten, der Relativierung bedarf. Sie knüpften wie erwartet an die fulminanten Dialogspiele der immerhin 15 Jahre alten CD Play an. Zu Beginn wurden improvisierend Raum und Publikum abgetastet, dann kamen der Stimmbandvirtuose und der Tastenmeister über Thelonious Monk zur Sache.

McFerrins Stimme rutschte tief ins Walking-Bass-Register, Corea ließ mit gewohnt farbigem Anschlag die Ideen aus sich herausfließen, um seinerseits den rasant gescatteten Achtelketten seines Partners Raum zu geben. Dass dessen vokale Kunst vor allem eine instrumentale ist, zeigte sich, als Standardthemen, wie zuletzt Round Midnight , zu mitunter spannungslosem Stückwerk gerieten. Während altbekannte Hits wie das verblüffend mit einer abstrakt-neutönerischen Introduktion versehene Spain genussvoll und gelöst zelebriert wurden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.8.2005)