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Trauerfeier am Sarg Garangs

Foto: Reuters/Sigheti
Khartum - Bei den Unruhen im Sudan nach dem Tod von Vizepräsident John Garang sind in den vergangenen drei Tagen mindestens 130 Menschen ums Leben gekommen. Wie der sudanesische Rote Halbmond am Donnerstag mitteilte, wurden rund 350 Menschen verletzt. Allein in der Hauptstadt seien bis Mittwochabend 111 Menschen bei Auseinandersetzungen getötet worden. In der Nacht sei es wesentlich ruhiger gewesen als in den Nächten zuvor, berichteten Einwohner.

Garang, erst seit wenigen Wochen Vizepräsident auf der Grundlage des Friedensabkommens zur Beendigung des langjährigen Bürgerkrieges, kam am Montag bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben. Als Unglücksursache gilt schlechtes Wetter. Nach der Bekanntgabe seines Todes kam es in Khartum und anderen Städten zu schweren Ausschreitungen.

Nach erneuten gewalttätigen Auseinandersetzungen in Khartum haben viele Menschen das Zentrum der sudanesischen Hauptstadt fluchtartig verlassen. Die Straßen seien voll von Autos, deren Insassen die Innenstadt verlassen wollten, berichteten Journalisten und Augenzeugen. Zugleich seien mindestens fünf Lastwagen mit Soldaten in Richtung Zentrum gefahren.

Die Vereinten Nationen (UN) hatten zuvor in einem Lagebericht mitgeteilt, dass bei neuen Gewalttaten in der Nacht zum Mittwoch mindestens 20 Menschen ums Leben kamen. In anderen nicht bestätigten Berichten war von mehr als 60 Toten die Rede. Der sudanesische Präsident Omar Hassan al-Bashir rief die Bevölkerung in einer Fernsehansprache zu einem Ende der Gewalt auf.

Vor Ausbruch der jüngsten Unruhen waren Gerüchte aufgekommen, wonach der Chef von Milizen im Süden des Landes, Paulino Matip, getötet worden sein soll. Doch die Milizen selbst wie auch das sudanesische Verteidigungsministerium dementierten, dass Matip tot sei. Auslöser der seit Montag anhaltenden Unruhen war der tödliche Hubschrauberabsturz des Vize-Präsidenten und früheren Rebellenchefs des Südens, John Garang. Nach Angaben des Roten Kreuzes sind seitdem in Khartum mindestens 84 Menschen getötet worden.

Sicherheitskräfte riegeln Stadtzentrum ab

Sicherheitskräfte ließen am Mittwoch in Khartum keine Autos mehr in Richtung Stadtzentrum fahren. Ein Augenzeuge sagte, er habe dort Schüsse gehört. Der Mitarbeiter eines in der Innenstadt gelegenen Hotels sagte, es sei mit Tränengas gefeuert worden. Andere Augenzeugen berichteten, sie hätten auf den Straßen viele mit Knüppeln bewaffnete Menschen gesehen. Einige hätten auch Schusswaffen getragen.

Präsident Al-Bashir erklärte im Fernsehen, er habe die Gouverneure der einzelnen Provinzen angewiesen, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um das Leben der Bürger und deren Besitz zu sichern. Außerdem habe er ein Dekret zur Gründung eines gemeinsamen Komitees von Regierung und der von Garang geführten Volksbefreiungsbewegung erlassen, das die Ursache des Hubschrauberabsturzes aufklären soll.

Garang hatte vor dem Friedensschluss mit dem Norden 20 Jahre lang gegen die Zentralregierung in Khartum gekämpft. Der Sudan ist gespalten zwischen arabischen Moslems im Norden und dem Süden, in dem afrikanische Christen, Animisten und Moslems leben. In dem afrikanischen Land waren seit Beginn des Bürgerkriegs 1983 rund zwei Millionen Menschen ums Leben gekommen. Erst im Januar war ein Friedensvertrag geschlossen worden. Die Bewohner des Südsudans fürchten nun, sie könnten nach dem Tod Garangs mit ihren Interessen ins Hintertreffen geraten. (APA/Reuters)