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Robert Atkins, Erfinder der "Low Carb"-Diät, war übergewichtig und litt an Herzproblemen.

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Als Grund dafür gilt, dass die Lust, zur Gewichtsreduktion viel Fleisch, aber kein Gemüse zu essen, abgenommen hat...

Washington/Wien - Mehr als 30 Millionen Menschen vertrauten dem US-Kardiologen Robert Atkins, der die "Low Carb"-Diät erfunden hatte: viel Fleisch und fett essen, aber kohlehydrathältige Lebensmittel (Erdäpfel, Nudeln, Reis, Gemüse) vermeiden. Damit scheint es nun gründlich vorbei zu sei, so gründlich, dass die 1989 gegründete Firma Atkins Nutritionals, vorwiegend ein Vertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln, nun einen Insolvenzantrag stellte und den Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts beantragte.

Der Gläubigerschutz schützt das Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger auf sein Vermögen und ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Sanierung. Das Unternehmen ist mit Verbindlichkeiten von 325 Millionen Dollar (268 Millionen Euro) belastet.

Als Grund für die Umsatzrückgänge gilt unter anderem die Resignation der laut Statistik immer fetter werdenden Frauen und Männer in den USA. Ernährungsfachleute und Soziologen haben festgestellt, dass immer mehr US-Bürger ihre Hoffnung auf die Traumfigur aufgegeben haben. Zudem war die Atkins-Diät von Anfang an umstritten (siehe auch Bericht unten).

Einseitige Ausrichtung

Mediziner warnten wegen der einseitigen Ausrichtung auf fette Speisen vor Herz-und Nierenproblemen und sogar vor erhöhtem Krebsrisiko. Robert Atkins selbst litt vor seinem Tod - er starb im April 2003 im Alter von 72 Jahren nach einem Sturz auf einer vereisten Straße - an Herzproblemen (die jedoch sein Arzt auf eine Infektion zurückführte). Andererseits: Bei einer Größe von 1,82 Meter und einem Gewicht von 116 Kilogramm wäre der Diät-Guru nach den Berechnungen der US-Gesundheitsbehörde als fettleibig eingestuft worden.

Die Atkins-Diätwelle erreichte 2004 ihren Höhepunkt. Auch Hollywoodstars wie Jennifer Aniston, Brad Pitt und Julia Roberts bekannten sich dazu, ebenso wie schon vorher der frühere US-Präsident Bill Clinton. Allerdings hatte der ein Jahr nach seiner Atkins-Diät Herzprobleme.

"Low Carb"-Ketchup Die Beliebtheit der Diät war derartig groß, dass "Low Carb" (Carb steht für Carbohydrates, also "wenig Kohlehydrate") zum Werbewort wurde. Nahrungsmittelkonzerne druckten "Low Carb" sogar auf Ketchup-Flaschen, Fastfood-Ketten gaben Hamburger in Salatblätter eingewickelt aus.

Inzwischen aber ist wieder die Biowelle mit viel Gemüse bei Abnehmwilligen modern. Der Atkins-Konzern aber gibt nicht auf. Laut einem Firmensprecher will er "durch intensivere Werbung" die gesundheitsbewussten Verbraucher auf seine Diätprodukte aufmerksam machen. (kps, DER STANDARD-Printausgabe, 02.08.2005)