Foto: ekey
Signot Keldorfer hat kein Schlüsselproblem mehr. Will er sein Haus oder sein Büro betreten, legt er einfach seinen Finger auf eine schalterähnliche Dose an der Tür, und diese geht - Sesam öffne dich - auf. Natürlich handelt es sich dabei um kein Märchen, sondern um ein biometrisches Zutrittssystem, in diesem Fall mittels Fingerscan. Dass Keldorfer auf dieses schwört, liegt als Geschäftsführer der Linzer ekey biometric systems bei ihm sozusagen auf der Fingerspitze.

Identifikationssysteme für jedermann

Das aus einer Voestalpine-Tochter hervorgegangene österreichische Biometrieunternehmen hat sich zum Ziel gemacht, Identifikationssysteme für jedermann zu entwickeln. Das 2003 auf den Markt gekommene Zutrittssystem Tocahome (toca bedeutet auf Spanisch berühren) wird Keldorfer zufolge mittlerweile im "fünfstelligen Stückzahlenbereich pro Jahr" verkauft.

In vielen Lebensbereichen

"Die Biometrie beginnt in viele Lebensbereiche Einzug zu halten, denn sie bietet als einzige die Möglichkeit, Person und Identität miteinander zu verknüpfen", sieht Keldorfer sein Unternehmen erst am Anfang der Entwicklung. Ekey hat sich bei seinen Produkten für die Erkennung mittels Fingerabdruck entschieden, der neben Gesicht und Iris die meisten messbaren biometrischen Eigenschaften aufweisen kann. "Wir haben damit die größte Erfahrung, die eingesetzte Technologie ist mittlerweile massenmarktfähig und damit auch für kleinere Anwendungen leistbar", begründet Keldorfer.

Einzigartige Merkmale

Bei der eingesetzten Technologie wurde der thermischen Messung vor der optischen und kapazitiven der Vorzug gegeben. "Diese ist extrem sicher. Dabei werden von einem thermischen Zeilensensor die Temperaturunterschiede zwischen den Bergen und Tälern des Fingerabdrucks gemessen", berichtet der Experte.

Auf einem Raster wird ein digitaler Abdruck der Minuzien angefertigt (jeder Finger verfügt über etwa 30 Minuzien genannte einzigartige Merkmale), der elektronisch abgespeichert wird. Beim Leseverfahren wird der Finger über den Scanner gezogen, dieser erkennt den elektronischen, in Form eines binären Zahlencodes abgespeicherten Fingerschlüssel und öffnet dem Berechtigten die Tür.

Bis zu 99 Personen

Bis zu 99 Personen kann Tocahome speichern und erkennen. Eingebaut werden kann es in Garagen, Maschinen und Anlagen, Safes, Fahrzeuge und anderes mehr. "Das Sicherheitsrisiko Schlüssel fällt damit weg", so der ekey-Geschäftsführer. "Der Finger kann nicht verloren gehen und an niemanden anderen übertragen werden."

Das ekey-System gibt es ab 396 Euro. Entwickelt und gefertigt wird es weit gehend in Österreich. Ein Teil der Komponenten wird zugekauft, die Platinen für das System bei einem österreichischen Platinenfertiger assembliert.

Mehr Mitarbeiter

Derzeit beschäftigt das Unternehmen 25 Mitarbeiter in Linz, nächstes Jahr sollen es 40 sein. Seit dem Vorjahr gibt es eine Vertriebsniederlassung in Deutschland mit 30 Mitarbeitern. Darüber hinaus ist ekey biometric systems Keldorfer zufolge in weiteren 29 Ländern tätig. Bezüglich konkreter Umsatzzahlen zeigt er sich eher verschlossen, da er den Appetit potenzieller Konkurrenten nur ungern anregen möchte. Ein siebenstelliger Eurobetrag im mittleren Bereich sei es aber schon, meint Keldorfer.(Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe vom 3.8.2005)