Frankfurt/Main /Essen - Bei den 74 von KarstadtQuelle verkauften kleineren Warenhäuser soll es auch unter den neuen Eigentümern keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Der Chef der Investmentfirma Dawnay, Day, Guy Naggar, habe Entlassungen ausgeschlossen und angekündigt, die Handelskette solle für die nächsten fünf bis zehn Jahre intakt bleiben, berichtete die "Sächsische Zeitung" am Donnerstag. Nach einer Meldung des Berliner "Tagesspiegels" (Freitag-Ausgabe) hat auch der Käufer von Runners Point zugesagt, es werde keine Entlassungen geben.

Keine dramatischen Veränderungen in den Filialen

In den Filialen von KarstadtQuelle werde "es zu keinen dramatischen Veränderungen kommen", zitierte die Zeitung den Dawnay-Day-Manager. Dem "Handelsblatt" sagte Naggar: "Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir langfristig investieren. So wollen wir es in Deutschland auch halten." Auf keinen Fall werde man die Geschäfte abreißen und etwas anderes mit den Grundstücken machen.

Der Manager betonte, er setzte große Hoffnungen in das Investment. "Deutschland mag niedergeschlagen sein. Aber es ist ein schlafender Riese, der gerade erwacht", sagte Naggar. Das Investmentunternehmen sei derzeit sogar auf der Suche nach weiteren Standorten.

Auch Runners-Point-Filialen sollen erhalten bleiben

Auch Hannover Finanz Gruppe, die von Karstadt-Quelle 124 Runners-Point-Geschäfte übernommen hat, will alle Standorte erhalten und sogar neue eröffnen. "Wir wollen das Konzept weiterentwickeln und weitere Filialen eröffnen", sagte Albrecht Hertz-Eichenrode, Vorstandsvorsitzender der Hannover Finanz, dem "Tagesspiegel". Grundsätzlich kämen Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern als Standorte in Frage.

Erlös laut Vorstandschef Middelhoff zwischen 400 und 500 Millionen Euro

Für den Verkauf erzielte KarstadtQuelle einen Preis zwischen 400 und 500 Mio. Euro. Diesen Preisrahmen nannte Konzernchef Thomas Middelhoff am Mittwoch in Essen. "Wir haben in Summe das erzielt, was wir planmäßig erreichen wollten", sagte er. Zum Preis für die ebenfalls verkaufte SinnLeffers-Modekette und für die Runners Point-Sportgeschäfte äußerte er sich nicht.

Auch für SinnLeffers und Runners Point fanden sich Finanzinvestoren. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Damit trennt sich der angeschlagene Konzern von einem Umsatz von 1,3 Mrd. Euro und von 10.500 Mitarbeitern.

"Durchbruch"

"Das ist ein Durchbruch für die nachhaltige Sanierung unseres Unternehmens", sagte Vorstandschef Thomas Middelhoff. In der zweiten Phase des Investitionsprogramms stehe der Verkauf der KarstadtHypothekenbank (KHB) und des Ratenkreditgeschäfts (ABS) an.

Erwerber der 75 Warenhäuser ist den Angaben zufolge ein Konsortium aus Dawnay, Day Principal Investments und Hilco. SinnLeffers gehe an eine Investorengruppe aus Deutsche Industrie-Holding, HMD Partners sowie dem Immobilieninvestor Curzon Global Partners/Ixis AEW Europe. Runners Point wird an die Beteiligungsgesellschaft Hannover Finanz verkauft.

Erwartungen übertroffen

Im ersten Halbjahr übertraf KarstadtQuelle die Erwartungen der Analysten für das operative Ergebnis, obwohl der Umsatz hinter den Prognosen zurückblieb. Der Umsatz im ersten Halbjahr brach nach Konzernangaben auf vergleichbarer Basis um rund acht Prozent auf 5,82 (vergleichbar: 6,31) Mrd. Euro ein.

Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt 5,86 Mrd. Euro Umsatz erwartet. Das operative Ergebnis (Ebitda) stieg auf 93 (vergleichbarer Vorjahreswert: 63) Mio. Euro. Bereinigt betrug das Ebitda 122 (98) Mio. Euro und lag damit deutlich über den von Analysten erwarteten 68,8 Mio. Euro.

Schwarze Zahlen

KarstadtQuelle hat im zweiten Quartal operativ schwarze Zahlen geschrieben. Das um abgegebene Geschäfte und andere Effekte bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) sei zwischen April und Juni auf 48,72 Mio. Euro gestiegen nach 8,1 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum, teilte der Konzern mit.

Unbereinigt betrug das Ebitda im Quartal 36,521 (Vorjahreszeitraum: - 26,9) Mio. Euro. Der Konzernumsatz im Quartal schrumpfte auf 2,837 Mrd. Euro nach einem vergleichbaren Wert von 3,16 Mrd. Euro im Vorjahr. (APA/Reuters/AP)