Wien - Der österreichische Bauernbund hat am Mittwoch in Kooperation mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs) des Umwelt- und Entwicklungsbereiches sowie kirchlichen Organisationen das Konzept der Welthandelsorganisation (WTO) zur Liberalisierung des Agrarhandels scharf kritisiert.

Ein gerechter globaler Agrarhandel brauche faire Spielregeln, aber es dürfe nicht auf soziale und ökologische Mindeststandards in der landwirtschaftlichen Produktion vergessen werden, so Fritz Grillitsch, Präsident des Bauernbundes bei einer Pressekonferenz in Wien.

Die angestrebte Marktliberalisierung in der Landwirtschaft mache weltweit die Bauern zu Verlierern und bringe keine Verbesserung für die Entwicklungsländer, sagte der Geschäftsführer von Fairtrade und Mitinitiator der Kooperation, Leon Lenhard.

"Moderne Form der Sklaverei"

Die von der WTO geplante Reform fördere vielmehr die "Wiedereinführung einer modernen Form der Sklaverei und die Zerstörung des Regenwaldes". Auch die durch soziale und ökologische Mindeststandards geprägte europäische Landwirtschaft würde einem verstärkten Wettbewerb ausgesetzt.

Rudolf Schwarzböck, Vorsitzender der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern Österreichs, sieht den Spielraum der EU bei den WTO-Verhandlungen aber mittlerweile recht eingeschränkt. Man habe Vorleistungen erbracht, nun müssten sich die USA stärker bewegen, betonte er und warnte gleichzeitig davor, die Agrarpreise durch unkontrollierte Liberalisierungsschritte noch stärker unter Druck zu bringen.

Europa müsse sein Modell der sozialen Marktwirtschaft mit starken ökologischen Aspekten zum Exportschlager entwickeln, betonte Grillitsch und kritisierte gleichzeitig die Haltung der Briten. Diese würden mit den Angriffen auf die Agrar-Ausgleichszahlungen "an dem Ast sägen, auf dem wir alle sitzen". 530.000 Jobs stünden in Österreich auf dem Spiel. (bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 04.08.2005)