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"Touch down" im Luftwaffenstützpunkt Edwards in der kalifornischen Mojave Wüste. Glückliches Ende einer aufreibenden All-Reise.

Foto: REUTERS/NASA TV
Dienstag, 14.11 Uhr und 22 Sekunden nach mitteleuropäischer Sommerzeit: 38 Sekunden vor der geplanten Zeit setzt "Mom", wie "Discovery"- Kommandantin Eileen Marie Collins mit Spitznamen heißt, die Raumfähre sicher auf der Landebahn des kalifornischen Luftwaffenstützpunkts Edwards (rund 75 Kilometer nördlich von Los Angeles) auf.

"Ich bin glücklich, wieder hier zu sein", sagte die 48-Jährige über Bordfunk. Verlassen konnte die aus zwei Frauen und fünf Männern bestehende Besatzung den Shuttle nicht sofort, er stand noch glühend auf dem Flugfeld und musste noch eine halbe Stunde lang abkühlen.

Auf jeden Fall war die "Discovery" sicher auf dem Erdboden gelandet, ein Finale, das seit Beginn des Abenteuers am 26. Juli infrage gestanden war. Wie bei der "Columbia", die im Jahr 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht war, hatte sich beim Start der "Discovery" Isoliermaterial gelöst, eine Beschädigung der Hitzekacheln wurde befürchtet. Es folgten Tests und (erstmals im Weltraum) eine Reparatur außerhalb des Shuttles. Dabei wurde auch eine weitere riskante Beschädigung entdeckt.

Letztlich, schon auf dem Rückflug, verursachte auch noch das Wetter am vorgesehenen Landeort Cape Canaveral zunehmend Probleme. Immer wieder wurde die Landung verschoben, bis sich die Nasa am Dienstag schließlich dazu entschied, die Fähre doch in Kalifornien runterkommen zu lassen.

Um 11.40 Uhr erreichte die Landung ihren kritischsten Punkt: den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Auch wenn Nasa und Besatzung zuversichtlich erklärt hatten, die Fähre sei in Ordnung: Alle hofften in merkbarer Anspannung, dass die "Discovery" die 1600 Grad Reibungshitze aushalten werde. Wenige Minuten später war es umjubelte Gewissheit: Der Shuttle hatte dieses Manöver ohne Probleme überstanden, der Rest sah auf den Fernsehschirmen, die den Raumgleiter als hellen Punkt auf dem Nachthimmel über Kalifornien zeigten, wie Routine aus - die es laut Aussagen der Besatzung auch war.

Zeitprobleme

Trotz des glücklichen Ausgangs, den die Nasa als triumphalen Erfolg ausgibt, gab es auch Kritik an der US-Raumfahrtbehörde: Angesichts der heiklen Situation - die Besatzung hätte nur noch bis Mittwoch Atemluft und Nahrung gehabt - habe die Nasa unnötig lange gezögert, den alternativen Landeplatz zuzulassen.

Die Gründe liegen im Finanziellen und in den weiteren Plänen: Die "Discovery" muss nun - auf einer Boeing 747 montiert - nach Cape Canaveral zurückgebracht werden, was umgerechnet rund vier Millionen Euro kostet. Zudem muss die Raumfähre auf mögliche Schäden durch den auf dem kalifornischen Flugfeld aufgewirbelten Staub untersucht werden. All dies kostet Zeit - und die hat die Nasa nicht: Schon am 22. September soll die "Atlantis" zur internationalen Raumstation ISS starten. Aus Sicherheitsgründen darf sie das aber nur dann, wenn die "Discovery" ebenfalls startbereit ist - für einen Rettungseinsatz, falls die Besatzung der "Atlantis" in Gefahr gerät. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.08.2005)