Ein Pädophilie-Skandal in einem Kinderheim in der Nähe von Zagreb beschäftigt nun die kroatische Justiz. Laut Medienberichten wird die Staatsanwaltschaft in der kommenden Woche Anklage gegen Jelena Brajsa (70) erheben. Der langjährigen Chefin der Caritas des Erzbistums Zagreb wird die Unterschlagung von Beweisen vorgeworfen.

Brajsa soll ein Tagebuch des ehemaligen Kochs des Caritas-Waisenhauses in Brezovica versteckt haben. Darin beschreibt Mijo Penic (28) in allen Einzelheiten die Vergewaltigung eines minderjährigen Mädchen, das in dem Waisenhaus wohnte. Kroatische Zeitungen hatten schon im Mai einige Passagen daraus veröffentlicht. Brajsa hatte jedoch stets beteuert, das Tagebuch nie gesehen zu haben. Ende Juli fand die Polizei das Buch jedoch in ihrem Haus. Penic ist seit 28. Juli in Haft.

Amtsenthebung

Am Dienstag war Brajsa, die seit 1968 die Zagreber Caritas leitete, vom Zagreber Erzbischof, Kardinal Josip Bozanic, ihres Amtes enthoben worden. Die Leitung der Caritas übernahm interimistisch Juraj Jerneic. In katholischen Kreisen ist Brajsa eine Symbolfigur, weil sie ihre kirchliche Sozialarbeit auch unter widrigsten Bedingungen im ehemaligen Jugoslawien von Marschall Josip Broz Tito leistete.

Der "Fall Brezovica" erschüttert seit Monaten die Caritas und die Katholische Kirche in Kroatien. Seit Anfang dieses Jahres veröffentlichten kroatische Medien sporadisch Geschichten über Fälle von Misshandlung in diesem Heim. Die Caritas und besonders ihre Chefin wiesen die Vorwürfe jedoch stets zurück.

Berichte über sexuelle Übergriffe

Ab Anfang Mai mehrten sich aber die Berichte über sexuelle Übergriffe einzelner Angestellter in Brezovica auf ihre minderjährigen Schützlinge. Buben und Mädchen aus dem Heim hatten anonym davon erzählt. Mitte Juni begann die Staatsanwalt mit der Untersuchung.

Kardinal Bozanic sagte Ende Juni während eines Gottesdienstes, an dem auch Staatspräsident Stipe Mesic und Ministerpräsident Ivo Sanader teilnahmen: "Wir verurteilen die Verbrechen, falls sie begangen wurden". Er rief die Justizbehörden auf, die Vorwürfe aufzuklären, würdigte aber auch "alle guten Taten, welche die Caritas unter der Leitung von Jelena Brajsa in schwierigen Jahrzehnten gemacht" habe. (APA)