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Modell des neuen Filmmuseums in Amsterdam, zu dem das das Wiener Architektur-Buero Delugan-Meissl im Juli 2005 den Wettbewerb gewonnen hat

FOTO: APA/ DELUGAN MEISSL ASSOCIATED ARCHITECTS

Wien - Das Porsche-Museum in Stuttgart, für das das Wiener Architektur-Büro Delugan-Meissl im Februar den Zuschlag bekommen haben, war der erste Schritt - nun folgt das zweite internationale Großprojekt: Roman Delugan und Ehefrau Elke Meissl-Delugan haben den internationalen Wettbewerb für das Filmmuseum in Amsterdam gewonnen. Die Fertigstellung soll 2009 erfolgen. Begründet wurde der Jury-Entscheid mit dem "entschiedenen Zugang und ihrem guten Gefühl für diese Aufgabe, die in der aufmerksamen Behandlung der Beziehung von Ort, Architektur und Film" deutlich werde.

"Architektur ist Licht"

Für Roman Delugan war vor allem die Herangehensweise der Niederländer an den Wettbewerb faszinierend: "Gefragt war nicht ein perfektes Raumprogramm, sondern die Architekten hatten vollkommene Freiheit". Der Auftrag lautete, eine "schöne Skulptur" zu erstellen, die zeigen soll, wie "Film in Architektur transformiert werden kann". Die Analyse dieser Fragestellung durch Delugan-Meissl war: "Jeder Film ist eine Illusion, die über Licht transportiert wird. Genau das wollten wir in der Architektur sehen: Architektur ist Illusion, Architektur ist Licht".

Diese beiden Elemente führten zu einer durchscheinenden, spiegelnden Fassade, die zu verschiedensten Stimmungen im Inneren und zu einer ständig verändernden Außenansicht führen soll. "Wir wollten ein nicht greifbares Gebäude machen", das Haus werde "mit der Umgebung arbeiten" und auch in diese ausstrahlen, wenn etwa in der Nacht das hell erleuchtete Innere zu sehen sein wird. "Je nachdem, wo ich mich befinde, spiegelt das Haus das Wasser oder den Himmel. Die Fassade verändert sich immer", so Delugan. Das neue Filmmuseum, das an einem prominenten Ort am nördlichen Ij-Ufer gegenüber des Bahnhofs seinen Platz finden und damit viele Anreisende als einer der ersten Eindrücke Amsterdams begrüßen wird, soll vier bis fünf Filmsäle beinhalten. Dafür wird u. a. das Interieur eines architektonisch "hoch interessanten" alten Kinos ins Museum umgesiedelt, schilderte Delugan.

Auch Räume für Ausstellungen, eine Bibliothek, ein Studierzentrum, ein Shop und ein großes Cafe sind vorgesehen. Das detaillierte Innenleben werde derzeit nach den Wünschen der Stadt und des Filmmuseums ausgearbeitet, denn in einem zweiten Schritt wird "unser gesamtes Projekt noch einmal in Frage gestellt und überarbeitet. Wir sehen das positiv", so Delugan. Das definitive Ergebnis soll spätestens Mitte Dezember vorgestellt werden, im kommenden Jahr müsse die konkrete Ausführungsplanung vorangetrieben werden. Dass den Bau noch etwas verhindert, glaubt Delugan nicht.

Wegführungen als Thema

Wichtig für den Entwurf war die Lage direkt am Wasser, die auch für das Ankommen eine wichtige Rolle spielt: Das Filmmuseum ist u.a. über eine Fähre zu erreichen. Der Weg ist überhaupt eines der großen Themen des Baus. Spiralförmig wird der Besucher im Inneren des Hauses durch die Ausstellungsflächen geführt, am Ende des Weges warten die Filmvorführsäle.

In dem neuen Bau werden derzeit auf verschiedene Standorte verteilte Institutionen zusammengeführt. Das Filmmuseum verwaltet und verwahrt nicht nur das niederländische sondern auch das internationale kinematografische Erbe ab 1896 bis heute. Die Sammlung beherbergt ein Filmarchiv von 35.000 Titeln, 50.000 Filmplakate und 500.000 Fotos. Diese Archive ziehen jedoch nicht in den neuen Bau ein.

In den Bewerb waren fünf Teams geladen worden - neben Delugan-Meissl noch NL architects (Amsterdam), Foreign Office Architects (London), Wiel Arets (Maastricht) und John Körmeling (Eindhoven). (APA)