Screenshot: Wikipedia

Mit rund zwei Millionen Artikeln in über einhundert Sprachen zählt Wikipedia zu den größten Enzyklopädien im Internet. Die Seite gehört zu den 50 meistbesuchten im Netz. Seit Donnerstag befasst sich die erste internationale Konferenz, die "Wikimania 2005" in Frankfurt am Main, mit der Weiterentwicklung des 2001 ins Leben gerufenen Projekts.

Wichtiges Medium

Das Konzept der Website ist einfach: Die Informationen sind frei zugänglich, Artikel können von allen Usern verändert oder erweitert werden. "Wikipedia ist ein sehr wichtiges Medium geworden", sagt Manfred Bobrowsky vom Wiener Publizistik-Institut: "Das watscheneinfache Konzept ermöglicht es auch Menschen, die nicht zur technischen Elite gehören, Internetseiten zu gestalten." Im Gegensatz zu Fernsehen, Radio und Internet verteile Wikipedia die Informationen nicht zentral. Die Artikel würden in einem Dialog zwischen den Usern entstehen.

Das Hauptproblem von Wikipedia sieht Bobrowsky in der Qualität der Beiträge. Tatsächlich wurden jüngst Manipulationen - die Seite wird auch regelmäßig von Journalisten genutzt - bekannt. Während des Wahlkampfes in Nordrhein-Westfalen (NRW) sollen unvorteilhafte Informationen über den CDU-Chef in NRW aus dem Lexika entfernt worden sein. Eine Überprüfung des Internetportals bildungsklick.de ergab, dass sich auf den deutschsprachigen Wikipedia-Seiten bis zu einer Million Rechtschreibfehler befinden könnten.

Qualitätssicherung

Die Qualitätssicherung ist daher auch Schwerpunkt der Tagung in Frankfurt, sagt Elisabeth Bauer von der Wikimedia-Stiftung Deutschland zum STANDARD. Die in den USA gegründete gemeinnützige Stiftung betreibt die Webseite. Diskutiert wird in Frankfurt etwa über die Einführung eines Bewertungsverfahrens für Artikel. Andererseits könnten qualitativ gute Beiträge gesperrt werden, sagt Bauer.

Die meisten Autoren würden sich aber gegenseitig korrigieren, weshalb die Qualität der Einträge insgesamt steige. Firmen hätten allerdings mitunter Beiträge über eigene Produkte selbst geschrieben, erzählt Bauer. Solche Werbeeinschaltungen können laut Bobrowsky kaum verhindert werden: "Verstärkte Qualitätsüberwachung oder gar Zensur würde den Charakter der Webseite zerstören." (András Szigetvari/DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2005)