Tokio - Angesichts des starken Widerstands gegen die Pläne der G4-Gruppe aus Brasilien, Deutschland, Indien und Japan für eine UN-Reform hat Tokio ein Zurückstellen seines Strebens nach einem ständigen Sitz im Sicherheitsrat angedeutet. Japan werde bei den Vereinten Nationen keine Abstimmung über den Reformvorschlag erzwingen, sagte Außenminister Nobukata Machimura am Freitag auf einer Pressekonferenz.

Stattdessen werde Tokio nach der Ablehnung des G4-Reformentwurfs durch die Staaten der Afrikanischen Union (AU) die Situation gründlich analysieren und erst dann entscheiden, ob eine Abstimmung angestrebt werden soll.

Für Erweiterung des Sicherheitsrates

Die AU hatte am Donnerstag auf einem Sondergipfel im äthiopischen Addis Abeba ihren bisherigen Entwurf für eine Reform des UN-Sicherheitsrats bestätigt, in dem ein Vetorecht für sechs neue ständige Mitglieder gefordert wird. Einer Annäherung an den Reformentwurf der G4 wurde eine Absage erteilt. Die G4 werben für eine Erweiterung des UN-Sicherheitsrates um sechs ständige Mitglieder ohne Veto-Recht. Zudem sollen vier nicht-ständige Sitze in dem höchsten UN-Gremium dazukommen, von denen einer an Afrika gehen soll.

Japan hatte das Streben nach einem ständigen Sicherheitsratssitz zu einem seiner wichtigsten außenpolitischen Ziele erklärt. Besonders China lehnt das japanische Ansinnen ab und verlangt eine Entschuldigung Tokios für die Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg. Die Volksrepublik gehört neben Großbritannien, Frankreich, Russland und den USA zu den derzeit fünf ständigen Sicherheitsratsmitgliedern mit Vetorecht. (APA)