Wien - Der Betriebsrat von Telering hat angesichts des bevorstehenden Verkaufs des Unternehmens an den Konkurrenten T-Mobile schwere Vorwürfe gegen die Regierung erhoben. "Es scheint klar zu sein, dass Politiker und Wirtschaftstreibende auf dem Rücken der Konsumenten und Beschäftigten ihre Freundschaften pflegen", meinte der Betriebsrat am Freitag in einer Aussendung.

So verweist die Belegschaftsvertretung darauf, dass der deutsche Arbeitgeberpräsident und Deutsche-Telekom-Aufsichtsrat Dieter Hundt ein "Du-Freund" von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) sei, dem Schüssel erst am Mittwoch dieser Woche das Große Silberne Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich verliehen habe. "Wenn Schüssel das Engagement Dieter Hundts für die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Deutschland würdigt, begrüßt er dann auch die Übernahme von Telering durch T-Mobile?" fragte der Betriebsrat.

Einen Appell der Telering-Belegschaft, einen Verkauf von Telering an T-Mobile und einen dadurch befürchtet Verlust hunderter Arbeitsplätze zu verhindern, hätten die führenden heimischen Politiker dagegen praktisch unbeantwortet gelassen. Dass Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) explizit keine Veranlassung gesehen habe, "sich in die Geschäfte von privatwirtschaftlichen Unternehmen einzumischen", wertet der Betriebsrat als "Affront".

Bundeskanzler weist Kritik zurück

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) weist die Kritik zurück.Es habe von Seiten der Regierung keinerlei Unterstützung für das Übernahmeangebot von T-Mobile gegeben, betonte Kanzler-Sprecherin Verena Nowotny am Freitag auf APA-Anfrage. Nowotny betonte, dass es sich dabei um eine "rein zufällige Koinzidenz" gehandelt habe. Der Termin sei, wie bei der Verleihung von Ehrenzeichen üblich, bereits seit Monaten vorgeplant gewesen. Das zur selben Zeit Telering verkauft werde, habe "kein Mensch" vorhersehen können, so die Sprecherin des Bundeskanzlers.

Arbeitsplatzgarantie von Western Wireless

Der Belegschaft liege derzeit nur eine Arbeitsplatzgarantie vom bisherigen Telering-Eigentümer Western Wireless vor, die zwar über den Zeitraum der Fusion hinausreiche, aber beschränkt sei. Eine Jobgarantie von T-Mobile Austria und für deren Mitarbeiter gebe es noch nicht. Und für die Zulieferfirmen werde es ohnedies nicht einmal einen Sozialplan geben, meint die Belegschaftsvertretung.

Die Gewerkschaft fürchtet, dass im Rahmen der Fusion von T-Mobile Austria und Telering bis zu 1.000 Arbeitsplätze bei den Unternehmen selbst und im Zulieferbereich verloren gehen könnten. T-Mobile-Austria-Chef Georg Pölzl hatte diese Zahlen am Donnerstag in einem "ZiB"-Interview allerdings als "völlig überzogen" bezeichnet. "Das sind völlig unrealistische Annahmen, die auf keinen Fall zutreffen", meinte er. Wie viele Arbeitsplätze tatsächlich gefährdet seien, wollte er aber nicht sagen.

Zehn Prozent der Belegschaft

Ein mit dem Verkaufsprozess vertrauter Insider bezifferte das Synergiepotenzial zuletzt gegenüber der APA mit etwa 10 Prozent der Gesamtbelegschaft. Das würde etwa 220 Jobs entsprechen, da Telering (in Vollzeitarbeitskräften gemessen) derzeit 562 Mitarbeiter beschäftigt und T-Mobile 1.650.

Der Betriebsrat hatte sich bis zuletzt für einen Verkauf an einen Finanzinvestor stark gemacht, um damit den Fortbestand von Telering zu erreichen. Die Finanzinvestoren hatten jedoch ihr Angebot unter anderem auch von der angekündigten Handymastensteuer in Niederösterreich abhängig gemacht.

Dass die Regierung voraussichtlich keinen Einspruch gegen die Handymastensteuer erheben wird, stößt beim Betriebsrat ebenfalls auf scharfe Kritik. Dass das Thema Handymastensteuer voraussichtlich nicht im Ministerrat behandelt wird, zeige, dass Landeshauptmann Erwin Pröll (V) volle Rückendeckung bei seinen Parteifreunden genieße - obwohl die Handymastensteuer "nachweislich Arbeitsplätze kostet und dem Wirtschaftsstandort Österreich schadet", meint der Betriebsrat. (APA)