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Freunde und Verwandte zweier Opfer des Attentäters von Shfaram tragen deren Särge zu Friedhof.

Foto: REUTERS/Nir Elias
Der desertierte israelische Soldat, der Donnerstagabend in einem arabischen Städtchen in Nordisrael ein Blutbad angerichtet hatte, wollte damit offenbar Unruhen provozieren und so den bevorstehenden Gaza-Abzug verhindern. Die israelische Führung und arabische Politiker waren indes um Entspannung bemüht. Friedlich und würdevoll wurden am Freitag in Shfaram die Begräbnisse der vier Opfer – zwei junge muslimische Schwestern und zwei christliche Männer – abgewickelt, die angekündigten Trauer- und Protestmärsche sollten von dem starken Polizeiaufgebot bloß aus der Entfernung beobachtet werden.

Orsan Yassin, der Bürgermeister von Shfaram, versuchte zu beschwichtigen: "Ich bin sicher, dass diese Wahnsinnstat nicht repräsentativ für das jüdische Volk ist – das war einfach ein wahnsinniger Rechtsextremist."

Vor Monaten abgesetzt

Der 19-jährige Grundwehrdiener Eden Natan-Zada hatte sich vor Monaten von seiner Einheit abgesetzt, weil er an den Abzugsvorbereitungen nicht teilnehmen wollte. Am Donnerstag zog er seine Uniform an, nahm sein Gewehr und bestieg den Autobus der Linie 165, dessen Endstation in Shfaram liegt. Dort erschoss er den Lenker und drei Passagiere, im Kugelhagel wurden zudem 10 Menschen verletzt. Eine wütende Menge umringte dann den Bus, und der Attentäter, der schon überwältigt war, wurde erschlagen.

Mit außergewöhnlich scharfen Worten reagierte Ariel Sharon auf den Anschlag: Israels Premier sprach in einer Erklärung von einem "abscheulichen Akt eines blutdürstigen jüdischen Terroristen". Sharon rief jeden einzelnen der neun arabischen Parlamentsabgeordneten an, um zu kondolieren, und gab Anweisung, die Hinterbliebenen und Verletzten auch offiziell als Terroropfer einzustufen, was den Anspruch auf finanzielle Entschädigung durch die Sozialversicherung nach sich zieht.

Bekannter Extremist

Die Armee musste sich indessen der bohrenden Frage stellen, wieso Nathan-Zada, der als Rechtsextremist bekannt war, überhaupt rekrutiert wurde und eine Waffe bekam. Seine Familie gab an, sie habe die Behörden mehrmals davor gewarnt, dass der labile Bursche gefährlich werden könnte. Nach der Desertion war er zunächst in seinem Elternhaus in der Stadt Rishon- le-Zion gesucht worden und dann in der als Extremistenhochburg geltenden Westbank-Siedlung Tapuach, wo er sich herumzutreiben pflegte. Danach wurde der Fall der Militärpolizei übergeben.

Der Kommandant der Bodentruppen, General Jiftach Ron-Tal, räumte nun ein, dass mehr hätte getan werden müssen, um "ideologische Verbrechen unter abscheulicher Nutzung der militärischen Uniform und Waffe" zu verhindern. Drei Jugendliche aus Tapuach wurden unter dem Verdacht der Mitwisserschaft festgenommen.

Der Anschlag zeigte auch auf, wie kurz in dieser kritischen Phase die Decke der Polizei ist. Viele Tausende von Beamten aus dem ganzen Land waren in den Süden abkommandiert, um die Protestmärsche der Gegner des Gaza- Abzugs zu bremsen – und als es plötzlich im Norden brenzlig wurde, fehlte es dort an Kräften. (DER STANDARD, Printausgabe, 06./07.08.2005)