Wild hupend bogen spät nachts große, schwarze Mercedes-Limousinen mit der Pekinger Kennnummer 133 für Nordkorea in die Straße am Ritanpark ein. Bewaffnete Polizisten hielten ihnen die Einfahrt zur Botschaft Pjöngjangs gegenüber dem Park frei. Die Kolonne preschte durch die wartende Menge von 150 südkoreanischen, japanischen und chinesischen Journalisten in die Botschaft. Beinahe hätten sie einen Kameramann überfahren.

Abend für Abend harren seit nun elf Tagen vor allem Asiens Medien vor der Botschaft aus. Sie hoffen, dass Nordkoreas pressescheuer Unterhändler Kim Kye-gwan bei der Rückkehr von den Sechs-Parteienverhandlungen bei ihnen anhält. Donnerstagnacht gegen halb elf war es dann so weit. Der 62-Jährige trat diesmal tatsächlich vor die Absperrungen seiner Botschaft und verlas - in sorgsam gewählten Sätzen - mit einer englisch übersetzenden Dolmetscherin sein Statement. "Wir sind in Peking, weil wir eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel wollen. Wir behalten uns das Recht auf friedliche Nutzung der Kernenergie vor. Wir sind weder eine im Krieg besiegte Nation, noch haben wir Verbrechen begangen", sagte Kim. "Wir glauben, dass auch die USA unser Anrecht auf friedliche Kernnutzung letztendlich anerkennen und unterstützten werden."

Vier Entwürfe für eine gemeinsame Erklärung hatte Peking diese Woche vorgelegt; immer wieder wurden sie nur von Nordkorea zurückgewiesen. Die bisher längsten Verhandlungen zur Beilegung des Atomstreits sollen am Wochenende weitergehen. (DER STANDARD, Printausgabe, 06./07.08.2005)