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Beim Warschauer Flughafen stiegen im Vorjahr die Passagierzahlen um 26 Prozent.

Foto: AP/Keplicz
Warschau – Polen mit seinen fast 40 Millionen durchaus reisefreudigen Einwohnern gilt derzeit als Schlüsselmarkt für die Billigflieger in Osteuropa. Die Flugpreise gehörten in Polen jahrelang zu den teuersten in Europa – dank der geschützten Monopolstellung der nationalen Fluglinie LOT. Doch mit dem EU-Beitritt und der Unterzeichnung des Open-Skies-Abkommens fielen diese Privilegien. Fast gleichzeitig entdeckten Billig-Airlines den größten der neuen Mitgliedstaaten. Seitdem boomt in Polen die Luftfahrt. 2004 stiegen die Passagierzahlen um 26 Prozent – das ist das größte Wachstum in Europa. Mit 8,9 Millionen Reisenden war es ein Quantensprung für den Flugverkehr in Polen: Noch im Jahr 2000 waren nur 5,7 Millionen Passagiere von und nach Polen geflogen.

Ein Ende der Entwicklung ist nicht absehbar, auch wenn Experten bezweifeln, dass die Passagierzahlen weiter so schnell wachsen werden wie bisher. Noch hat der Warschauer Flughafen Okecie mit knapp 70 Prozent den größten Anteil an Reisenden. Doch bereits in wenigen Jahren könnten die Regionalflughäfen nach Schätzungen der Luftaufsichtsbehörde die Oberhand gewinnen. So können wahrscheinlich im Herbst 2006 am ehemaligen Militärflughafen Modlin nahe Warschau Billig-Airlines starten und landen, die bisher ein eigenes provisorisches Terminal in Okecie hatten.

Dynamik in Krakau

Eine dynamische Wachstumsentwicklung verzeichnet auch der Krakauer Flughafen Balice, der im vergangenen Jahr 840.000 Passagiere zählte und in diesem Jahr mit 1,2 Millionen rechnet. Doch auch die klassischen Linien, die angesichts der Billig-Konkurrenz ihre Preise um bis zu 30 Prozent senkten, zählen mehr Reisende. So stieg die Passagierzahl der Lufthansa zwischen Deutschland und Polen 2004 um fast 20 Prozent.

Neben Polen verdanken auch andere osteuropäische Staaten vor allem den Billigfliegern regen Betrieb. So wurden am Flughafen Riga bis Ende Mai mehr als 630.000 Passagiere abgefertigt, ein Plus von 90,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Grund dafür ist dem baltischen Fremdenverkehrsamt zufolge vor allem die Aufnahme Rigas in das Streckennetz der irischen Ryanair.

Flughafen Tallinn wird erweitert

Im Nachbarland Estland wird der Flughafen Tallinn nach rapide steigenden Passagierzahlen erweitert. Auch in Prag und Budapest gibt es ähnliche Entwicklungen. Der Prager Flughafen verzeichnete in der ersten Jahreshälfte ein Plus von mehr als 15 Prozent auf rund 4,85 Mio. Reisende; ein neuer Terminal soll im Sommer in Betrieb gehen. Durch den Budapester Flughafen Ferihegy werden ebenfalls immer mehr Passagiere geschleust. Von Jänner bis September des Vorjahres waren es mehr als 4,8 Millionen (+30 Prozent). Etwa elf Prozent flogen mit Billigfliegern, die Tendenz ist weiter steigend. (dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7.8.2005)