London - Neue Vorschläge der britischen Regierung zur Ausweisung religiöser Extremisten nach den Terroranschlägen in London sind bei der Opposition und Vertretern des Islams auf Kritik gestoßen. "Der internationale Ruf Großbritanniens steht auf dem Spiel, wenn wir Menschen in Länder abschieben, in denen es Folter und Todesstrafe gibt", sagte der Vorsitzende der Liberaldemokraten, Charles Kennedy, am Samstag dem Rundfunksender BBC.

"Die Ausweisung von Extremisten bedeutet, dass wir sie lediglich exportieren", sage Kennedy weiter. Es sei besser, ihnen in Großbritannien den Prozess zu machen. Außerdem kritisierte er Pläne zur Schließung von Moscheen, Buchläden und Websites, die aufhetzende Schriften verbreiten. Muslimische Führer hätten Bedenken, dass solche Maßnahmen vor allem junge Muslime in die Arme von Extremisten treiben.

Der konservative Oppositionsführer Michael Howard sagte, seine Partei stimme den von Premierminister Tony Blair vorgeschlagenen Plänen zwar "im Prinzip" zu, aber die Regierung habe die weit reichenden Auswirkungen nicht bedacht. "Wir werden die Vorschläge genau unter die Lupe nehmen", sagte Howard.

Schärfste Kritik gab es von muslimischer Seite. Ein führender Geistlicher verglich die Vorschläge mit "Adolf Hitlers Dämonisierung der Juden". Mohammed Naseem, Vorsitzender der Moschee von Birmingham, sagte, er sehe "starke Ähnlichkeiten".

Premierminister Blair hatte am Freitag einen Zwölf-Punkte Plan zur Verschärfung der Anti-Terror-Gesetze vorgelegt. Er sei notfalls dazu bereit, Gesetzesänderungen zur Abschiebung von Extremisten durchzusetzen, auch wenn sie im Gegensatz zur Europäischen Menschenrechtskonvention stünden. Mit zehn Ländern seien bereits Gespräche über Abschiebungsvereinbarungen geführt worden, darunter Jordanien und Algerien. (APA/dpa)