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Die frühere israelische Bildungsministerin Shulamit Aloni: "Tatsächlich sind wir diejenigen, die Kriegsverbrechen gegen die Menschlichkeit begehen."

Foto: APA/EPA/Nureldine
Wien - Einem Bericht der israelischen "Yedioth Ahronoth" vom Freitag zufolge hat eine frühere israelische Ministerin scharfe Kritik am Vorgehen der israelischen Regierung gegenüber den Palästinensern geäußert. Laut einer Aussendung von "Salaam/Shalom - Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost" sagte Shulamit Aloni, die von 1992 bis 1996 im Kabinett Yitzhak Rabins israelische Bildungsministerin war, gegenüber der arabisch-israelischen Zeitung "Kul al-Arab", der "israelische Terror" sei schlimmer" als der palästinensische.

"Sharon ist ein arroganter Nationalist"

"(Premier Ariel) Sharon ist ein großer, arroganter Nationalist. Er leidet unter Megalomanie und es ist ihm gleichgültig, die Leben von anderen zu opfern, wie dies bei der Invasion in den Libanon geschehen ist", so die nicht unumstrittene linksliberale Politikerin Aloni. "Sharon und die israelische Führung versuchen immer, die Israelis die Lüge glauben zu machen, dass die Palästinenser uns ins Meer treiben wollen", sagte sie. "Tatsächlich sind wir diejenigen, die Kriegsverbrechen gegen die Menschlichkeit begehen und ich hoffe, dass Sharon vor Gericht kommt."

Hinsichtlich des israelischen Abzugsplans aus dem Gaza-Streifen äußerte sie die Befürchtung, dieser würde das Leben der Palästinenser "in die Hölle" verwandeln. "Ich möchte anmerken, dass das Knesset-Mitglied der Nationalen Vereinigung [Binyamin] Benny Elon kürzlich sagte, dass Siedler vorhaben, das Leben der Palästinenser in der West Bank zu vergällen, bis sie von dort auswandern", so Aloni.

Sie zeigte sich außerdem überrascht, dass Israelis weiterhin die "Rolle von Opfern" spielten und dass dies von der US-Regierung akzeptiert würde, während sie "die Tatsache ignorieren, dass wir eine der mächtigsten Armeen im Mittleren Osten besitzen."

"Israelischer Terror ist schlimmer"

Auch wenn sie den "israelischen Terror" als "schlimmer" als den "palästinensischen Terror" bezeichnete, so sprach sie sich doch für eine sofortige Einstellung der palästinensischen Anschläge aus. "Es ist wahr, dass der von Israel in den [besetzten] Gebieten angewandte Terror schlimmer ist als der palästinensische Terrorismus, aber die Hamas-Bewegung gibt der Besatzung die Gelegenheit und die Mittel, um sich zu verschärfen", sagte sie.

Sie betonte, dass sie für die Zukunft eines sich wie bisher weiterentwickelnden Israels mindestens ebenso schwarz sieht wie der israelische Menschenrechtler Uri Avnery in einem Artikel. "Ich kann Ihnen Mussolinis Bücher über den Faschismus zeigen. Wenn Sie sie lesen, werden Sie unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass sich Minister der gegenwärtigen israelischen Regierung auf dem gleichen Weg befinden."

"Nur in einem Land wie diesem ...

Über den israelischen Verteidigungsminister Shaul Mofaz sagte sie: "Nur in einem Land wie diesem kann ein Mörder ... den Posten des Verteidigungsministers erreichen. Israel unterscheidet sich tatsächlich nicht vom rassistischen Südafrika, solange es sich als jüdischen Staat statt als Staat aller seiner Bürger darstellt." (APA)