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Der US-Verfassungsrichter John Paul Stevens ist strikt gegen die Todesstrafe.

Foto: AP/Aynsley Floyd
Chicago - Der amerikanische Verfassungsrichter John Paul Stevens hat sich besorgt über schwerwiegende Fehler im US-Justizapparat bei Entscheidungen über die Todesstrafe geäußert. In einer ungewöhnlich scharfen Kritik sagte er am Samstag vor der Amerikanischen Anwaltskammer in Chicago, die kürzlich gehäufte Entlastung von Todeskandidaten durch wissenschaftliche Beweise sei von großer Bedeutung. Denn damit seien neben der grundsätzlichen Debatte über die Todesstrafe auch Anzeichen für "schwerwiegende Fehler in unserer Strafgerichtsbarkeit" sichtbar geworden. Andere Richter des höchsten US-Gerichts, darunter Sandra Day O'Connor und Ruth Bader Ginsburg, haben sich in der Vergangenheit darüber besorgt gezeigt, dass Angeklagte in Mordprozessen möglicherweise nicht eine angemessene Verteidigung bekommen. Der 85-jährige Stevens sagte jetzt aber, die Probleme lägen noch tiefer. Er nannte den Vorgang zur Auswahl der Geschworenen und die Tatsache, dass viele der gewählten Richter in anderen Fällen Ankläger von beschuldigten Mördern seien. Der 1975 von Präsident Gerald Ford ernannte Stevens gilt als der liberalste Richter des Verfassungsgerichts. (APA/AP)