Wien - Mit dem 3:1-Heimsieg gegen die Austria beendete Rapid am Samstag den 17 Partien währenden Derbyfluch, schnappte als Draufgabe dem Erzrivalen die Tabellenführung weg und tankten gehörig Selbstvertrauen für das Hinspiel in der Champions-League-Qualifikation am Mittwoch gegen Lok Moskau.

"Es tut mit Leid für die Statistiker", frohlockte Josef Hickersberger, "Serien sind schön, und wenn sie zu Ende gehen auch für den, der immer gehört hat, wie lange die Austria schon nicht mehr verloren hat." Bei allem Jubel vergaß der Rapid-Trainer aber nicht darauf hinzuweisen, dass sich die Austria als ebenbürtige Mannschaft präsentiert hatte. "Solche Derbys werden von Kleinigkeiten entschieden. Wir hatten in den entscheidenden Phasen mehr Glück als in allen Derbys davor", meinte Hickersberger.

Besonders störte ihn das Nervenflattern seiner Spieler, als die Austria beim Stand von 1:2 alles nach vorne warf: "So wenig Souveränität darf man als Meister nicht zeigen, auch wenn man 100 Jahre nicht mehr gegen die Austria gewonnen hat." Dann entschuldigte er sich für den Austausch von Dollinger, der erst kurz zuvor eingewechselt worden war. "Das war ein Fehler. Ich war sauer, weil er davor ein Mal nicht zurückgesprintet ist, obwohl er erst kurz im Spiel war. Nach dem 3:1 konnte ich die Auswechslung nicht mehr zurücknehmen", erklärte der Coach.

Vortritt für Valachovic

Dollinger hatte unmittelbar davor den entscheidenden Treffer von Hofmann vorbereitet. Der Kapitän hätte sich eigentlich schon zuvor beim Elfer zum 2:1 in die Schützenliste eintragen können, hatte aber wohl noch den vergebenen Strafstoß gegen Pasching im Hinterkopf und ließ deshalb Valachovic den Vortritt. "Er wollte schon immer die Freistöße schießen, die habe ich ihm aber nicht gegeben, also habe ich ihm den Elfer überlassen", schmunzelte der Rapid-Kapitän.

Hickersberger überließ die Entscheidung über den Elferschützen der Mannschaft. "Ich habe mir abgewöhnt, jemanden zu bestimmen. Das habe ich ein Jahr gemacht, und wir haben in dieser Zeit keinen Elfer bekommen. Ich habe überhaupt nicht eingegriffen, aber wenn Valachovic verschossen hätte, hätte ich gesagt, ich habe ihn bestimmt."

Der Strafstoß war ein Knackpunkt, darin waren sich Hickersberger und Peter Stöger einig. Für den Austria-Sportchef ging nach zwölf Spielen ohne Niederlage die erste Partie verloren. "Ich bin lange genug dabei um zu wissen, dass jede Serie reißt", gab sich der 39-Jährige gelassen. "Zusammen mit dem GAK-Match war das unser bestes Saisonspiel, nur haben wir eben nicht gewonnen."

Schäumender Stronach

Stögers Boss Frank Stronach musste sich wegen der Niederlage übrigens als Barkeeper betätigen und dem Rapid-Präsidenten Rudolf Edlinger auf Grund der verlorenen Wette um den Ausgang des Derbys ein Bier zapfen. "Es war aber nur Schaum drin", schmunzelte Edlinger, dem nach dem ersten Erfolg gegen die Favoritner unter seiner Präsidentschaft ein Stein vom Herzen fiel. "Bei einer Niederlage hätte ich es nicht gesagt, aber jetzt kann ich es zugeben: Die lange Wartezeit hat mir schon sehr wehgetan." (APA/red)