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Foto: REUTERS/Fabrizio Bensch
Berlin - Wegen der Veröffentlichung von Fotos aus seiner Krankenakte hat der Linkspartei-Spitzenkandidat Gregor Gysi eine großformatige Gegendarstellung auf der Titelseite der "Bild"-Zeitung erwirkt. "Die Veröffentlichung ist ohne mein Zutun und ohne meine Kenntnis erfolgt", schreibt Gysi in der Samstagausgabe des Blattes.

Ein Sprecher des Springer-Verlag betonte am Sonntag, man gehe weiterhin davon aus, dass der behandelnde Arzt der Zeitung die Bilder mit Gysis Einverständnis überlassen habe. Die Veröffentlichung einer Gegendarstellung sage nichts über deren Wahrheitsgehalt aus.

"Einmischung in unmittelbare Privatsphäre"

Die "Bild" hatte am 14. Juni dieses Jahres auf der Titelseite die Fotos mit der Schlagzeile veröffentlicht "Gysi (...) zeigt als erster deutscher Politiker den Wählern sein Gehirn". Daraufhin hatte der Politiker juristische Schritte eingeleitet, weil er die "Einmischung in die unmittelbare Privatsphäre" nicht hinnehmen wolle.

Gysis Arzt Siegfried Vogel, der dem früheren PDS-Vorsitzenden kurz zuvor eine Blutgefäß-Ausbuchtung im Gehirn entfernt hatte, bestritt damals sogar, dass er den Reportern Aufnahmen von Gysis Gehirn gezeigt habe. Gegen diese Behauptung hatte der Springer-Verlag damals jedoch eine einstweilige Verfügung erwirkt.

Gysi: Zeitung ist "zu weit gegangen"

"Die "Bild"-Zeitung ist zu weit gegangen", sagte Gysi am Samstag der dpa. "Egal, ob es mein Gehirn ist oder nicht, ohne den betroffenen Menschen zu fragen, veröffentlicht man solche Bilder nicht." Der 57-Jährige ließ offen, ob die veröffentlichten Bilder tatsächlich sein Gehirn zeigen. "Ich kenne mein Gehirn nicht per Foto und würde es auch nicht wiedererkennen", sagte Gysi. Über diese Frage müssten sich andere auseinander setzen.

In seiner Gegendarstellung hatte Gysi wörtlich erklärt: "Dazu wurden auf der Titelseite und auf Seite 10 Abbilder der computertomographischen Untersuchung meines Gehirns gezeigt." Er sei in dem Fall nur froh, dass das Gericht zu seinen Gunsten entschieden habe. Er habe dafür gestritten, dass solche persönlichen Bilder nicht ohne Einverständnis des Betroffenen veröffentlicht werden dürfen. (APA/dpa)