"Smooth" ist das erste Wort, das mir einfällt, wenn ich an Peter Jennings denke. Und "polished" . Übersetzungen aus dem Wörterbuch werden dem kaum gerecht: fesch, glatt, fein, ausgefeilt, poliert. Peter Jennings war einfach der beste Anchorman, den die amerikanischen Fernsehanstalten hervorgebracht hatten.

Absolut unerschütterlich, egal, um welches Ereignis es sich handelte. Und in 22 Jahren als Informationsaushängeschild der TV-Gesellschaft ABC hatte er oft genug Gelegenheit, das zu beweisen: "Breaking News", ohne Skript, nur mit einem enormen Hintergrundwissen, waren seine Stärke: ob es nun, ganz am Anfang seiner Moderatorentätigkeit, im Oktober 1983, der Terroranschlag auf amerikanische Marinesoldaten in Beirut war - er kannte die Stadt besser als seine Konkurrenten, schließlich war er dort 7 Jahre lang als erster US-TV-Korrespondent stationiert gewesen - oder der erste Golfkrieg 1991-92, wo er sich für seinen Auftritt eine wohnzimmergroße Landkarte bauen ließ, auf der er von "Land" zu "Land" schritt, oder die Anschläge vom 11. September 2001. Damals war er zwölf Stunden ununterbrochen auf Sendung und insgesamt 60 Stunden in den ersten Tagen danach.

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Jennings mit Bill Clinton und Tochter Chelsea, 1993.

Erste Show mit neun

Wie weit reichend seine journalistische Karriere war, macht auch seine offizielle Biografie deutlich: er war dabei, als 1961 die Mauer in Berlin aufgestellt wurde und 27 Jahre danach wieder, als sie fiel. Seine Erfahrung, die er im Ausland gesammelt hatte, unterschied ihn von den Moderatoren der beiden anderen TV-Netze, CBS und NBC. Er war Internationalist, Dan Rather und Tom Brokaw waren die "Amerikaner". Möglicherweise spielte da auch mit, dass Jennings in Kanada zur Welt kam, wo er sich seine ersten journalistischen Sporen verdiente. Schon mit neun Jahren hatte er seine erste Radioshow, und mit 24 moderierte er die kanadischen Abendnachrichten. Vier Jahre später, mittlerweile war er in die USA übersiedelt, setzte ihn ABC an den Anchor-Tisch. Ein Flop, der drei Jahre dauerte.

Als wir uns 1989 in seinem Studio in Manhattan gegenübersaßen, um über die Macht der Medien in den USA zu sprechen, war er am Höhepunkt seiner Karriere: mit Abstand die Nummer eins, CBS und NBC lagen deutlich hinter ihm. Ronald Reagan war zwar schon abgetreten, aber seine langjährige Verstrickung in den Iran-Contra-Skandal (Geld für "Widerstandskämpfer" in Nicaragua wurde vom Waffenverkauf an den Iran abgezweigt) noch taufrisch. Jennings gab damals offen zu: "Wenn ein Präsident in der Bevölkerung so populär ist wie Ronald Reagan, tun auch wir uns schwer, gegen die Volksmeinung anzukämpfen."

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Zuletzt kämpfte der Kettenraucher (zu spät hatte er das Rauchen aufgegeben) gegen den Lungenkrebs. Seit April war er nicht mehr am Bildschirm zu sehen. Seine Konkurrenten Rather und Brokaw, waren in den vergangenen zwölf Monaten schon vor ihm abgetreten. Peter Jennings, mit 67 der Mittlere des Triumvirats, jetzt für immer.

Gelegentlich werde ich gefragt, ob ich ein Vorbild habe. (Irgendwie haben wir das ja wohl alle - ob wir nun daran herankommen oder nicht ...) Peter Jennings war für mich das Vorbild. (DER STANDARD; Printausgabe, 9.8.2005)