Berlin - Wie zuvor mehrere andere führende SPD-Politiker hat sich auch der deutsche Innenminister Otto Schily (SPD) offen für eine Große Koalition nach der Bundestagswahl gezeigt. Erstes Ziel seiner Partei bleibe zwar, dass rot-grüne Regierungsbündnis von SPD und Grünen fortzusetzen. "Aber wenn die Wahlentscheidung anders aussehen sollte, dann darf man sich der Option auch einer großen Koalition nicht von vornherein widersetzen", sagte Schily am Montag in der ARD. Dies sehe er "ganz genauso" wie Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und Finanzminister Hans Eichel (beide SPD). "Große demokratische Parteien müssen koalitionsfähig sein untereinander", betonte Schily.

Der Innenminister vertrat die Ansicht, die Große Koalition in den 60er Jahren sei besser gewesen als ihr Ruf. "Wenn man die Ergebnisse der damaligen großen Koalition vor Augen hat, dann hat die gute Arbeit geleistet", unterstrich der SPD-Politiker. Nicht in Frage komme für seine Partei aber ein Bündnis mit dem von Oskar Lafontaine und Gregor Gysi angeführten Linksbündnis.

Schily sagte, er selbst habe im Bereich der Inneren Sicherheit in den vergangenen Jahren in vielen Fragen gut mit der Union zusammengearbeitet. Allerdings würde es mit CDU/CSU auch in vielen Fragen schwierig. Die Forderung der Union nach einer höheren Mehrwertsteuer etwa sei "Blödsinn" und ein "ganz schlimmer Fehler", da dadurch die Wirtschaft belastet würde.

Auf die Frage, ob er selbst sich vorstellen könnte, unter einer großen Koalition im Amt zu bleiben, sagte Schily: "Wenn der Bundeskanzler (Gerhard) Schröder heißt, kann ich mir das sehr gut vorstellen."

Wirtschaftsminister Clement hatte am Wochenende in einem Interview gesagt, ein Bündnis von SPD und Union sei "kein Sündenfall", sondern ein "demokratischer Weg, der Chancen eröffnet". Auch Finanzminister Eichel und der ehemalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück hielten eine Große Koalition für möglich. Bei den Grünen stießen die Überlegungen auf scharfe Kritik. (APA/Reuters)