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Foto: APA/Barbara Gindl
Als DER STANDARD Rolando Villazon vor ein paar Wochen darauf ansprach, ob sich nun, da sein Erfolg als Tenor zu "explodieren" beginnt, die Plattenfirmen darum reißen würden, ihn von der EMI abzuwerben, da wurde er ganz verlegen und ungewohnt still.

"Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll", meinte er, und das war so entlarvend wie sympathisch.

Der ansonsten um keinen Scherz verlegene 33-jährige Mexikaner, der kurz davor mitten im Interview aufgesprungen war, um zur Verdeutlichung seiner Bühnenästhetik mit großen, quirligen Gesten eine Szene aus Hoffmanns Erzählungen vorzuspielen, wollte nicht lügen, konnte aber auch nicht sagen, dass er zur Deutschen Grammophon gewechselt war. Also blieb er lieber ein Schatten seiner selbst.

Nun, der Deal ist nun offiziell, Villazon wird Label- Nachbar von Anna Netrebko. Und man wird sehen, ob die Marketingabteilung das Geschäft mit der Inszenierung eines Traumpaares ankurbeln wird wollen. Die beiden verstehen einander tatsächlich gut. Wie Netrebko ist auch Villaz´on ein echtes "Bühnentier", das seine Töne aus der Rolle heraus entwickelt. Wiewohl ein Spezialist des Lyrischen, zieht er es vor, seine Figuren genau und intensiv zu zeichnen, Tiefen auszuloten und sich fern zu halten vom statischen Steh- und Schreittheater der alten Schule.

Villazon, so blödelnd er sich gibt, hat eben wohl auch andere Seiten. Es gab Zeiten, da wollte er Geistlicher werden, und er ist mit einer Psychologin verheiratet. Womöglich durch sie animiert, hat er sich einer Psychoanalyse unterzogen – angeblich telefoniert er, wo immer er auch gobal in Sachen Oper unterwegs ist, wöchentlich mit dem Seelenberater seiner Wahl.

Hilft dies, das Wissen um die eigenen Abgründe zu vertiefen, so half bezüglich der Karriere Tenor Placido Domingo. Er war Vorbild, für den kleinen Villa´zon ein Objekt der Nachahmung. Wohl wichtiger: Bei Domingos Sängerwettbewerb belegte er hinter einem Bass den zweiten Platz. Die Karriere konnte beginnen.

Ist er schon jetzt weiter, als seine Träume reichten, so steht ihm, der gerne Karikaturen zeichnet, noch einiges bevor. Es scheint, als wollte er auch, was Vielseitigkeit anbelangt, in Domingos Fusstapfen treten. Denn nicht nur Belcanto – auch Wagner (etwa Lohengrin) soll in einigen Jahren ein Thema sein. Auch möchte er unbedingt einmal ein Buch schreiben. Ja, und auch Regie kann sich Villaz´on vorstellen.

Das ist allerdings Schnee von Übermorgen. Vorerst ist er wohl damit beschäftigt, die Triumphe, wie jenen nun in Salzburg, zu verarbeiten. Stehen Sie einmal neben ihm, und sie tuscheln, Vorsicht! Er spricht Deutsch. Seine Urgroßmutter hieß Roth, stammte aus Österreich und floh vor den Nazis. (DER STANDARD, Printausgabe, 09.08.2005)