Buenos Aires - Die argentinischen Justizbehörden haben die Auslieferung von Ex-Diktator Jorge Videla an Deutschland abgelehnt. Der zuständige Richter Sergio Torres entschied am Montag in Buenos Aires, dass die argentinische Justiz für die Strafverfolgung des 79-jährigen Ex-Generals zuständig sei. Auch der deutsche Antrag auf Auslieferung des 79-jährigen Ex-Admirals Emilio Massera wurde abgelehnt.

Deutschland hatte im vergangenen Jahr die Auslieferung Videlas, Masseras und des inzwischen verstorbenen Ex-Generals Carlos Guillermo Suarez Mason beantragt. Das deutsche Auswärtige Amt verwies dabei auf Anträge der Staatsanwaltschaft Nürnberg, die die drei ehemaligen Militärs für die Ermordung der Tübinger Theologiestudentin Elisabeth Käsemann und des Münchner Studenten Manfred Zieschank während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 verantwortlich macht.

Käsemann war nach den Ermittlungen der Nürnberger Justiz im Alter von 29 Jahren im Mai 1977 in der Nähe von Monte Grande in der Provinz Buenos Aires erschossen worden. Der 24-jährige Zieschank verschwand im März 1976. Seine Leiche wurde 1983 gefunden und zwei Jahre später identifiziert. Elisabeth Käsemann ist die Tochter des bekannten Tübinger Theologieprofessors Ernst Käsemann. Dieser zahlte nach dem Tod seiner Tochter 20.000 Dollar (16.168 Euro) an die Militärs, um ihre Leiche in Empfang nehmen zu können.

Videla hatte sich 1976 an die Macht geputscht und stand bis 1981 an der Spitze der Militärjunta. Der ehemalige Junta-Chef war 1985 zu lebenslanger Haft verurteilt worden, fünf Jahre später aber von dem damaligen Präsidenten Carlos Menem begnadigt worden. Zurzeit sitzt er in Argentinien wegen des mutmaßlichen Raubs von Babys aus Folterzentren und wegen des Verschwindenlassens von Regimegegnern wieder in Untersuchungshaft. Die Strafverfolgung gegen Massera wurde eingestellt, nachdem ihm Amtsärzte Senilität bescheinigten.

Während der Militärdiktatur in Argentinien wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen bis zu 30.000 Menschen verschleppt, gefoltert und ermordet, unter ihnen rund hundert Deutsche und Deutschstämmige. (APA)