Ihre Hauptaufgabe fand die Frau des Mittelalters innerhalb der Familie: es oblagen ihr die Haushaltsführung und die Betreuung der Kinder. Obwohl die Frau oft weit gebildeter war, als der Mann, stand die Frau im Mittelalter unter seiner rechtlichen Gewalt. Der Brautvater wählte den Ehemann für die Tochter aus. Die bäuerliche und bürgerliche Ehefrau war jeder Willkür und Rohheit des Mannes ausgeliefert. Auch für die Erziehung des adeligen Mädchens, das sich widerspenstig zeigte, galt nach einem Leitfaden des Jahres 1370: „Der Vater soll es züchtigen, Hunger leiden lassen und an den Haaren zerren.“ Die Frau war nicht lehensfähig, da sie nicht in den Krieg ziehen durfte. Selbst eine freie Frau konnte nicht nach ihrem eigenen Gutbefinden leben. Sie musste stehts unter männlicher Vormundschaft bleiben. Auch durfte sie nichts ohne den Willen ihres Vormundes vergeben oder veräußern. Sollte eine freie Frau es wagen, einem Knecht ihr Jawort zu geben, durften ihre Verwandten sie füglich töten oder außer Landes verkaufen und mit ihrem Geld verfahren, wie es ihnen beliebte. Die Frau war in der Stellung nicht viel mehr Wert als ein Tier. So heißt es etwa in einer frühmittelalterlichen Gesetzessammlung: "Schlägt jemand eine trächtige Stute und verursacht dadurch einen Fehlwurf, so zahlt er 1 Solidus. Und wenn sie eingeht, ersetzt er sie mitsamt dem Jungen wie zuvor. - Schlägt jemand eine schwangere Magd und verursacht dadurch eine Fehlgeburt, so zahlt er 3 Solidi. Stirbt sie infolge der Mißhandlung, so muss er sie vergelten samt dem Kinde, das noch in ihrem Leibe war." Die mutwillige Tötung einer Frau konnte ebenfalls, allerdings mit reichlich (1200 Solidi) Geld beglichen werden. Die Frau jedoch, die ihren Mann tötete, wurde zur Strafe hingerichtet. Der Minnesang des Hochmittelalters, betreiben von den Adeligen, darf somit nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die rechtliche Stellung und die tatsächliche Behandlung der Frau nur sehr langsam besserten. (pd)