Der vierte Planet des Sonnensystems ist das nächste ehrgeizige Ziel der NASA.

DER STANDARD
Die glückliche Landung der "Discovery" lässt die Nasa auch für ihre künftigen Raumfahrtpläne aufatmen. Der Zeitplan für die erste bemannte Marsreise bleibt aufrecht.

Die USA und Russland planen, wie berichtet, - eventuell mit europäischer Beteilungen - bis spätestens 2034 den ersten Menschen auf den Roten Planeten zu schicken. Technisch lassen sich die Pläne bis dahin möglicherweise umsetzen, immerhin basteln Amerikaner wie Russen bereits heute an neuen Raumschiffen.

Doch wie die Astronauten den Flug zum Mars gesundheitlich überstehen sollen, wirft noch große Fragen auf. Mehr noch: Die jüngsten Studienergebnisse von Forschern der US-Luftfahrtbehörde FAA stellen einen Rückschlag für die geplanten bemannten Marsmissionen dar: Jeder zehnte Astronaut würde nach seiner Reise zum Roten Planeten an Krebs sterben - wegen der kosmischen Strahlung.

Diese Strahlung gilt für die FAA als ein potenzieller Faktor, der die Weltraumerkundung stark einschränken könnte. Die Astronauten wären bei ihrer 2,7 Jahre dauernden Hin- und Rückreise zum und vom Mars einer Dosis von 2,26 Sieverts ausgesetzt. Bei diesem Strahlenwert erkranken zehn Prozent der Männer und 17 Prozent der Frauen im späteren Leben an Krebs. Damit liegt das Risiko weit über dem für Astronauten zulässigen Risiko - es ist mit drei Prozent festgelegt. Die jährliche Dosis natürlicher Strahlung, der ein Mensch auf der Erde in Mitteleuropa ausgesetzt ist, liegt bei etwa 0,002 Sievert.

Neben der Krebsgefahr warnt die Studie zudem vor einem erhöhten Risiko für grauen Star. Außerdem könnte die Strahlung bei Männern zu einer vorübergehenden Störung der Fruchtbarkeit führen. Und das Risiko für genetische Defekte bei den Nachkommen von Marsreisenden liege bei gut einem Prozent.

Andere Studien zuvor hatten gezeigt, dass besonders die schweren Atomkerne (ein Prozent der kosmischen Strahlung) bei Mäusen ernsthafte Schäden am Gehirn anrichten, die in der Folge zu Gedächtnisverlust führen. "Der Umgang mit den schweren Atomkernen muss besondere Beachtung bei einer Marsmission zukommen", sagte Studienleiter Wallace Friedberg von der FAA.

"Ich sehe derzeit keine Lösung, wie man in Zukunft dieser schädlichen Strahlung begegnen kann", kommentierte auch der Co-Autor der Studie, Keran O'Brian von der Northern Arizona University, kürzlich im britischen Wissenschaftsmagazin New Scientist: "Ein Raumschiff mit massiven Schutzschilden könnte Strahlenschäden für die Astronauten reduzieren." Aber ein solches Raumschiff müsste auf dem Mond gebaut werden, denn für den Start von der Erde aus wären die Schilder aus Wasser, Wasserstoff oder Kunststoff zu schwer. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.08.2005)