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Die Rapid-Spieler sind seit dem Derby-Sieg bestens gelaunt. Mit Geduld und Kreativität soll auch die russische Lokomotive in die Schranken gewiesen werden.

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Wien - Es ist ein Monat her, dass Josef Hickersberger blöderweise vor Zeugen sprach: "Es wäre ein Wunder, kämen wir in die Champions League." Da aber auch ein Rapid-Trainer das Recht hat, Unsinn zu verzapfen, legte er gestern, am Tag vor der Partie gegen Lokomotive Moskau (ausverkauftes Hanappi-Stadion, 20:45 Uhr), auf folgende Klarstellung Wert: "Der Aufstieg ist realistisch, wir sind verpflichtet, optimistisch zu sein. Was interessiert mich der Schwachsinn, den ich vor ein paar Wochen gesagt habe." Hickersberger, dies zur Verteidigung, wusste damals nichts über Düdelingen, kaum mehr über Lok. Er konnte auch nicht davon ausgehen, "dass wir den Meistertitel gut verkraftet haben, ein Derby gewinnen und nach fünf Runden Tabellenführer sind. Rapid ist nicht weit weg von der europäischen Mittelklasse".

Der russische Meister kam im noblen Privatjet angeflogen, der österreichische wird die ganz gewöhnliche Linie benützen, um am 23. August das Rückspiel in Moskau zu erreichen. "Der russische Fußball ist über unseren zu stellen, machen wir uns nichts vor." Lok budgetiert mit 40 Millionen Euro, Rapid mit 11,5. Selbstverständlich wurde der Gegner mehrmals beobachtet, Gegenteiliges wäre grob fahrlässig, das gilt aber umgekehrt auch.

Lok, so Hickersberger, sei hervorragend organisiert, werde im St. Hanappi defensiv eingestellt sein und auf Konter lauern. Der beste Stürmer, Dimitri Sitschew, hat sich rechtzeitig das Kreuzband gerissen, für ihn persönlich ist das natürlich bitter. Im Mittelfeld werden zwei Riegel die Angriffe abfangen, einer davon ist der Brasilianer Francisco Lima, der um 5,7 Millionen Euro dem AS Roma abgekauft wurde. "Davon können wir nicht einmal träumen, der Wert von Lok ist so wie der Ölpreis: ständig steigend."

Das theoretische Gegenrezept kennt Andreas Ivanschitz, der die beiden Partien zu "den schwierigsten, seit ich bei Rapid bin" erklärte. Es sei eine Reifeprüfung, man befinde sich im Vorhof zum Paradies, das für einen österreichischen Klub die Gruppenphase der Champions League bedeutet. "Wir müssen kreativ sein, Geduld bewahren. Wir dürfen ja nicht verzweifeln, wenn es nicht gleich läuft. Am Ende muss hinten die Null stehen." Vorne wäre die Eins nett, die Zwei viel netter.

Rapid wird mit der Formation aus dem Derby antreten, sofern es das Seitenband von Radek Bejbl zulässt. Die Nacht davor verbrachten die Spieler daheim, Hickersberger lehnt Kasernierungen strikt ab. "Kosten nur Geld. Die Leute sind reif genug. Ein dummer Mensch macht die dümmsten Fehler im Fünfsternehotel."

Steffen Hofmann wird sich laut Trainer vom Tamtam um die vorerst gescheiterte Einbürgerung kaum beirren lasse. "Er lernt alle Facetten der österreichischen Seele kennen." Unlängst hat ihm Hickersberger CDs des legendären Helmut Qualtinger geschenkt. "Damit er sich auskennt. Meine österreichische Seele spekuliert mit dem Aufstieg." (DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 10. August 2005, Christian Hackl)