Wien - Die am Montag anlässlich der Unterzeichnung eines regionalen Wachstumspaketes von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) in Wien präsentierte neue Lehrlingsoffensive entpuppt sich bei näherer Betrachtung als bereits länger zurückliegendes Vorhaben des Regierungschefs. Erstmals verkündet wurde die Maßnahme, bei der sich der Bund zu 800, Länder und Gemeinden zu jeweils 500 neuen Lehrplätzen verpflichten, am 30. September 2004 im Rahmen einer ÖVP-Klausur in St. Wolfgang in Oberösterreich. Das aus damaliger Sicht recht optimistische Motto der Regierungspartei lautete: "Aufschwung schafft Arbeit."

Fast ein Jahr später hält Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer (ÖVP) den seinerzeit von ihm mitgetragenen Plan weiter für sinnvoll: "Die Jugendwohlfahrt kommt teurer als ein neuer Lehrplatz." Werde es heuer bei Lehrstellen trotz aller Anstrengung ein Problem geben, "sollte man schauen, dass man das schafft", so Mödlhammer. Ansonsten setzt der Gemeindebundpräsident den Zeitraum 2005/2006 für die Schaffung der neuen Lehrstellen an.

Wie und wo die neuen Lehrplätze geschaffen werden sollen, hält Städtebund-Generalsekretär Erich Pramböck für eine "Ungereimtheit, die aufklärungsbedürftig ist". Ständig rüge der Bund die Länder und Gemeinden doch mehr Personal abzubauen, nun sollen plötzlich 1000 Lehrstellen geschaffen werden. Das werde schlicht nicht möglich sein.

"Überinterpretiert"

Beim Bund hieß es dazu, man werde die eigenen 800 neuen Lehrstellen "heuer" und zwar bei der "gesamten öffentlichen Hand und allen nachgelagerten Bereichen" ermöglichen. Die Bezeichnung "neu" beim Lehrlingspaket sei "überinterpretiert" worden, der Kanzler habe die seinerzeitige Zusicherung der Länder nur nochmals eingeholt.

Zwischen Zusicherung und nochmaliger Zusicherung hat sich die Situation auf dem Lehrstellenmarkt verschärft. Im September 2004 fehlten bundesweit 4584 Lehrplätze, im Juli 2005 fehlten bereits 8075 Ausbildungsplätze. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.08.2005)