Wien/Paris - "Bedauerlich" nannte ein Sprecher des US-Außenministeriums die Entscheidung der iranischen Regierung, Atomtechniker vor Pressekameras ein wenig an den Metallfässern in Isfahan rütteln zu lassen. Washington überlässt im Atomstreit mit Teheran den Europäern nicht nur die Verhandlungen, sondern auch die lautstarke Kommentierung.

Die Kavallerie der verbalen Großmeister reitet dabei seit Wochen der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy. Der erst seit zwei Monaten amtierende Minister, der sich in seiner politischen Laufbahn eigentlich den Ruf eines Schönredners erworben hatte - "Douste-blabla" nennen ihn Spötter -, übt sich nun ohne Unterlass in harschen Worten: Der Iran provoziere eine "schwere internationale Krise", der Ton des Antwortbriefs aus Teheran sei "besonders alarmierend", die Wiederaufnahme von Nukleararbeiten eine "klare Verletzung" der Abmachungen mit der EU.

Das Angebot der EU-3 an Teheran fand der Minister andererseits "interessant", auch lobte er die "Sicherheitsgarantien für das iranische Territorium", als stünde das Land vor einer Invasion.

Die Ernennung des 52-jährigen Douste-Blazy im Zuge der Regierungsumbildung nach dem gescheiterten EU-Referendum hatte Empörung unter den Diplomaten am Quai d'Orsay in Paris ausgelöst. Douste-Balzy, ein Arzt, hatte sich als Bürgermeister im Wallfahrtsort Lourdes und später in Toulouse sowie als Gesundheitsminister viel Sympathie unter den älteren konservativen Franzosen erworben. Von der Außenpolitik habe er noch wenig Ahnung, wie er freimütig bei seiner ersten Pressekonferenz bekannte. Der wollte Staatspräsident Jacques Chirac ein telegenes Gesicht verpassen - die Diplomatie möchte der Elysée-Chef mehr denn je selbst führen. (mab/DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2005)