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Foto: APA/Gindl

Der Verkauf des viertgrößten österreichischen Mobilfunkanbieters tele.ring an den Konkurrenten T-Mobile ist unter Dach und Fach. In New York haben T-Mobile und der bisherige tele.ring-Eigentümer Alltel in der Nacht auf Mittwoch endgültig den Kaufvertrag unterzeichnet, bestätigte tele.ring-Sprecher Walter Sattlberger am Mittwochmorgen unter Bezug auf den Verkäufer Western Wireless International. Am Mittwoch wurden die Verträge auch in Wien notariell unterzeichnet

Kaufpreis: 1,3 Milliarden Euro

T-Mobile Austria hat im Zuge der Übernahme auch steuerliche Verlustvorträge mit einem Barwert von rund 150 Mio. Euro übernommen, teilte die Deutsche Telekom am Mittwoch mit. T-Mobile schätze den Barwert der zu erzielenden Synergien auf 300 Mio. Euro.

Die Transaktion werde aus den vorhandenen Finanzmitteln der Deutschen Telekom finanziert, die 1,3 Mrd. Euro würden bar bezahlt. Es würden keine Schulden von tele.ring übernommen, da das Unternehmen schuldenfrei sei, hieß es.

Infos per SMS

Die tele.ring-Mitarbeiter wurden heute um 7 Uhr früh vom Deal per SMS informiert. Die Übernahme gilt als die größte Akquisition der Deutschen Telekom seit dem Kauf des US-Mobilfunkbetreiberes VoiceStream (heute: T-Mobile USA) vor fünf Jahren.

Kartellprüfung noch ausständig

Die Genehmigung durch die Wettbewerbsaufsicht der EU-Kommission ist noch ausständig. Die Kartellwächter in Österreich haben Auflagen zuletzt nicht ausgeschlossen. Einen Abschluss des Prüfungsverfahrens erwartet T-Mobile Österreich-Chef Georg Pölzl bis Jahresende. Tatsächlich fusioniert werden sollen T-Mobile und tele.ring erst 2006.

Deutsche Telekom-Tochter rückt zu A1 auf

T-Mobile Austria, bisher Nummer Zwei in Österreich, erhöht seinen Kundenstock durch die Übernahme der Nummer Vier tele.ring zunächst um ein Drittel auf rund 3 Millionen und rückt damit knapp an den Marktführer, die Telekom Austria-Tochter Mobilkom Austria (A1), heran. Mit der Akquisition setzt T-Mobile einer Stagnationsphase bei den Kundenzahlen ein Ende. Ausgerechnet an tele.ring hatte die Österreichtochter der Deutschen Telekom zuletzt die meisten Kunden verloren.

Wechsler

Experten rechnen allerdings damit, dass rund 20 bis höchstens 30 Prozent der bisherigen tele.ring-Kunden nach dem Verkauf des Unternehmens den Betreiber wechseln werden, nachdem vor allem die Konkurrenten One und "3" bereits in den vergangenen Tagen begonnen haben, um die Wechselkunden zu werben. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo geht dennoch davon aus, dass durch die Konzentration der Wettbewerb am bisher hart umkämpften österreichischen Mobilfunkmarkt sinken wird und die Handytarife in Österreich deshalb steigen könnten.

Auflagen

Wie die Auflagen der Wettbewerbshüter aussehen werden, ist noch unklar. Von sich aus hat T-Mobile bereits angedeutet, die rund 100.000 Festnetz- bzw. Internet-Kunden von tele.ring und redundante Teile der übernommenen Infrastruktur weiter verkaufen zu wollen. Als Interessent dafür war zuletzt die Telekom Austria im Gespräch. Der Wert der gesamten Netzwerkinfrastruktur und Festnetz-Kunden von tele.ring wird von Branchenkreisen auf 350 bis 400 Mio. Euro geschätzt. Ein Verkauf des gesamten tele.ring-Netzes ist von T-Mobile-Kreisen am Dienstag aber bereits ausgeschlossen worden.

Proteste

Dem Zusammenschluss von tele.ring und T-Mobile waren teils heftige Proteste der Belegschaft vorausgegangen. Der Betriebsrat fürchtet um bis zu 1.000 Arbeitsplätze bei tele.ring und den Zulieferbetrieben. Laut T-Mobile-Chef Georg Pölzl sollen nach der Fusion maximal 200 bis 300 Jobs eingespart werden. Die Mitarbeiter von tele.ring sollen noch vom alten Eigentümer Alltel eine Einmalzahlung und eine befristete Arbeitsplatzgarantie erhalten.

T-Mobile hatte sich in einem spektakulärer Verkaufspoker um tele.ring gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Zwischenzeitlich waren die Deutschen sogar schon aus dem Rennen gewesen. Neben T-Mobile hatten sich auch der drittgrößte österreichische Handynetzbetreiber One mit dem deutschen Energiekonzern E.ON im Hintergrund, die niederländische KPN sowie mehrere internationale Finanzinvestoren für tele.ring interessiert.

Wacklig

Bis zuletzt galt der Deal als wacklig. Nachdem der Aufsichtsrat der Deutschen Telekom bereits vergangenen Donnerstag Grünes Licht für die Übernahme gegeben hatte, war die Vertragsunterzeichnung ursprünglich schon vergangene Woche, spätestens bis Montag erwartet worden. Juristen hatten jedoch noch bis zuletzt an den Details gefeilt.(APA)