Berlin /Hamburg - Gut fünf Wochen vor der erwarteten Wahl in Deutschland deuten Umfragen weiterhin auf ein knappes Ergebnis hin. Der von Infas für die ARD erstellte "Deutschland-Trend" ergab wie in der Vorwoche ein Patt. Danach bleiben die Unions-Parteien mit 42 Prozent und ihr wahrscheinlicher Koalitionspartner FDP mit 6 Prozent stabil. Auch die SPD liegt weiter bei 29 Prozent, während sich die Grünen um 1 Punkt auf 9 Prozent verbessern. Die Linkspartei verliert 1 Punkt und kommt auf 10 Prozent. Damit hätten Union und FDP ebenso wie Rot-Grün plus Linkspartei jeweils 48 Prozent.

Die Linkspartei gehe auch in Ostdeutschland um 2 Punkte auf 30 Prozent zurück, während sich dort die SPD um 2 Punkte auf 28 Prozent verbessere und die Union um 2 Punkte auf 27 Prozent falle, berichtete die ARD am Donnerstagabend weiter.

Ähnliches auch bei Emnid

In einer ebenso am Donnerstag veröffentlichten Emnid-Umfrage für den Nachrichtensender N24 hatten Union und FDP noch einen Punkt Vorsprung vor Rot-Grün plus Linkspartei. Danach gehen CDU/CSU um 2 Punkte auf 41 Prozent zurück, die FDP verbessert sich um 1 Punkt auf 8 Prozent. Die SPD steigt um 2 Punkte auf 28 Prozent, die Grünen bleiben bei 8 Prozent und die Linkspartei sinkt um 1 Punkt auf 12 Prozent.

Nach Emnid geht die Linkspartei auch in Ostdeutschland um 1 Punkt auf 31 Prozent zurück, während sich die SPD dort um 3 Punkte auf 24 Prozent verbessert und die Union um 3 Punkte auf 27 Prozent sinkt. Für die FDP wurde dort ein Plus von 1 Punkt auf 8 Prozent errechnet, die Grünen bleiben unverändert bei 5 Prozent. (APA/dpa)

Forsa-Umfrage von Mittwoch

In der am Mittwoch veröffentlichten wöchentlichen Forsa-Umfrage zur geplanten Bundestagswahl haben die Unionsparteien CDU/CSU deutlich an Wählerstimmen verloren. Laut der Umfrage im Auftrag des Hamburger Magazins "stern" und des Fernsehsenders RTL fielen CDU/CSU im Vergleich zur Vorwoche um 3 Punkte auf 42 Prozent. Die SPD stieg um 2 Punkte auf 28 Prozent. FDP und Grüne liegen unverändert bei jeweils 7 Prozent. Auch die Linkspartei veränderte mit zwölf Prozent ihren Wert aus der Vorwoche nicht. Zusammen kommen Union und FDP auf 49 Prozent, SPD und Grüne erreichen gemeinsam 35 Prozent.

Am Wahlkampf hat die große Mehrheit der Deutschen Interesse. Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag des "stern" erklärten 41 Prozent der Bürger, sie hätten "großes" Interesse, 23 Prozent verfolgen ihn sogar mit "sehr großem" Interesse. Bei 29 Prozent ist das Interesse weniger groß. Nur 7 Prozent gaben an, sich überhaupt nicht für den Wahlkampf zu interessieren.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), meinte in einer ersten Reaktion auf die Umfrageergebnisse, die sinkenden Werte seien ein "sehr relatives Schwächeln". Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hält ein Unions-Ergebnis von bis zu 45 Prozent für möglich. "Unser Potenzial für diese Wahl liegt deutlich über 40 Prozent, bei 42 bis 45 Prozent. Das können und müssen wir erreichen", sagte der CSU-Vorsitzende dem "stern". Mit dem Kanzlerkandidaten Stoiber hatte die Union vor drei Jahren 38,5 Prozent erzielt.

Forsa-Chef sieht keine Chance mehr für Schröder

Trotz sinkender Zustimmung für die Unionsparteien können der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder und die SPD nach Erhebungen des Meinungsforschungsinstituts Forsa die Bundestagswahl nicht gewinnen. Forsa-Chef Manfred Güllner sagte der Wochenzeitung "Die Zeit" laut einer Vorausmeldung vom Mittwoch, Schröder habe keine Aussichten mehr auf eine Wiederwahl. Aber auch die Unionsparteien sind nach der jüngsten Umfrage des Instituts derzeit auf absteigendem Ast. Laut Forsa sackte die CDU/CSU um drei Prozent auf 42 Prozent.

Güllner sagte laut "Zeit", selbst wenn man die Unentschlossenen hinzu zähle, komme die SPD maximal auf 33 Prozent. "Mehr ist nicht drin. Ich sehe keine Chance mehr für Schröder." Der Kanzler könne diesen Wahlkampf nur führen "wie Helmut Kohl 1998, er muss sich in einen Trance-Zustand versetzen". In am Mittwoch veröffentlichten Umfrageergebnissen von Forsa und Emnid kommt die Union auf 42 Prozent der Wählerstimmen und hätte zusammen mit der FDP 49 Prozent, SPD und Grüne kämen bei beiden Umfragen zusammen auf 35 Prozent, die SPD erhielte dabei 28 Prozent der Stimmen, die Grünen 7 Prozent. Ein Bündnis aus Rot-Rot-Grün käme auf 47 Prozent. Bei beiden Umfragen konnten sich die Sozialdemokraten um zwei Prozentpunkte verbessern.

Nach Einschätzung Güllners lässt innerhalb der SPD das Interesse an einer Neuauflage der rot-grünen Koalition nach. Der "Netzeitung" sagte der Forsa-Chef, ein rot-grünes Lager, wie es zur Bundestagswahl 2002 bestanden habe, "ist so nicht mehr existent". In der SPD-Anhängerschaft gebe es derzeit stattdessen eine Hinwendung zur Großen Koalition. (APA/dpa)