Abwarten und Tee trinken bis zur Klage gegen Ex-Mentor Jörg Haider: FP-Chef Heinz-Christian Strache ist sauer.

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... auch mit Geld, das er von Riess-Passer und Haider eintreibt. Letzteren würde er am liebsten in Pension schicken, sagt Strache zu Peter Mayr und Karin Moser.

STANDARD: Sie sind jetzt seit knapp vier Monaten FPÖ-Bundesparteichef. Bereuen Sie mittlerweile, dass Sie diese Funktion übernommen haben?

Strache: Nein, ich bereue nichts – keine Stunde, keine Minute. Ein leichter Schritt war das natürlich nicht, weil meine Vorgänger so verantwortungslos gehandelt haben und ein Chaos samt Schuldenberg hinterlassen haben. Diese Probleme haben wir aber in sehr kurzer Zeit gut gelöst. Und wir beginnen von Woche zu Woche ein besseres und stärkeres Profil in der Öffentlichkeit zu bekommen.

STANDARD: Umfragen zeigen aber ein anderes Bild. Beispiel Steiermark. Dort lag Mitte Juli die KPÖ mit fünf Prozent deutlich vor der FPÖ.

Strache: Da weiß ich nicht, welche Umfragen Sie zitieren . . .

STANDARD: Das war eine OGM- Umfrage.

Strache: . . . aber wir werden alle Umfragen Lügen strafen. In der Steiermark haben wir Daten, dass wir, seitdem ich Bundesobmann bin, zulegen. Im Burgenland stehen wir heute schon bei sieben Prozent. In Wien liegt die FPÖ bei allen Umfragen, die ich gelesen habe, zwischen sieben bis neun Prozent. Und wir sind nicht einmal noch mitten im Wahlkampf. So gesehen bin ich sehr zuversichtlich. In der Steiermark ist die Situation sicher schwierig, aber auch dort sehe ich den Einzug in den Landtag als gesichert an.

STANDARD: Gibt es eine persönliche Schmerzgrenze, ab der Sie sagen: So, mit mir nicht mehr?

Strache: Ich habe ja erst vor ein paar Monaten ein unglaubliches Chaos übernommen und sukzessive diesen mit Steinen beladenen Rucksack abgearbeitet. Wir sind heute wieder die einzige Oppositionspartei in Österreich, die als soziale Heimatpartei ernsthaft für die Österreicher da ist.

STANDARD: Nehmen wir die neun Prozent in Wien. Wie wollen Sie das nach der Wahl als Erfolg verkaufen? Das wäre mehr als halbiert.

Strache: Das sind genau diese unsinnigen Rechenbeispiele, wo ich doch nicht auf Prozenten herumreite. Die FPÖ war ja jahrelang auf dem richtigen Weg, bis Jörg Haider diesen Weg verlassen und uns verkauft und verraten hat.

STANDARD: Aber wie macht man Wahlkampf mit einem Schuldenberg von über drei Millionen Euro?

Strache: Indem man sparsam mit seinen Mitteln umgeht, einen Schuldentilgungsplan erstellt und die Schulden abarbeitet.

STANDARD: Nochmals: Wie soll das konkret funktionieren?

Strache: Indem man einen Schuldentilgungsplan erstellt und die Schulden sukzessive abarbeitet.

STANDARD: Wie schaut der Plan aus?

Strache: Darauf werde ich nichts sagen. Das machen Experten.

STANDARD: Wann, sagen Ihre Experten, sind Sie wieder schuldenfrei?

Strache: Das Ziel ist natürlich, es bis 2007 mit den Außenverbindlichkeiten zu schaffen.

STANDARD: Sind da die Einnahmen, die man sich durch gewonnene Klagen gegen Ex- FPÖ-Mitglieder erhofft, eingerechnet?

Strache: Das ist nicht eingerechnet. Aber wenn wir da noch Geld kriegen, sind wir erfreut.

STANDARD: Warum haben Sie nicht früher auf den großzügigen Spesenverbrauch aufmerksam gemacht, als Sie noch mit den "Schmuddelkindern" in einem Boot saßen?

Strache: Woher hätte ich vorher wissen sollen, was im Bundesvorstand besprochen wird? Ich habe ab dem Zeitpunkt, wo ich in den Vorstand gekommen bin, meine Verantwortung wahrgenommen. Das ist jederzeit dokumentierbar.

STANDARD: Sie haben Klagen vor dem Zivilgericht gegen Jörg Haider und Susanne Riess- Passer angekündigt. Wann gibt’s den ersten Termin?

Strache: Das mache nicht ich, sondern die Rechnungsprüfungskommission. Wie ich weiß, laufen die Vorbereitungen. Es werden die Juristen zu bewerten haben, wann diese Klagen eingebracht werden. Es gibt ja auch unabhängig davon Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

STANDARD: Betreiben Sie die Zivilklagen überhaupt weiter?

Strache: So wie das meine Juristen gesagt haben, werden sie das vorbereiten.

STANDARD: Auch gegen Haider?

Strache: Gegen all jene, bei denen Regressansprüche bestehen.

STANDARD: Wer ist das aller momentan?

Strache: Da müssen Sie meine Rechnungsprüfer fragen, da gebe ich keine Antwort. Zu dem Thema werde ich nichts mehr sagen. Alles andere werden nämlich die unabhängigen Gerichte klären. Die Rechnungsprüfer haben klar zum Ausdruck gebracht, dass gegen Haider und Riess-Passer Zivilrechtsklagen eingebracht werden. Daran hat sich nichts geändert.

STANDARD: Mit "amoralischen Menschen" wollen Sie ja nicht mehr zusammenarbeiten. Wenn die BZÖ-Führung ausgetauscht wird, ginge es wieder gemeinsam?

Strache: Das BZÖ besteht ja ohnehin nur aus Regierungsmitgliedern und Nationalratsabgeordneten. Daher geht die Frage an der Realität vorbei. Das BZÖ ist ja sonst nicht existent. Es ist eine politische Totgeburt, die überall unter der Wahrnehmungsgrenze liegt. Und Haider sollte irgendwann einmal an die Pension denken. Für mich ist problematischer, dass es eine ÖVP in der Bundesregierung gibt, die für die Fehlentwicklung im Land verantwortlich ist. In Wien fährt die SPÖ mit ihrer absoluten Mehrheit mit einer Präpotenz der Macht über die Menschen drüber. Sie nimmt permanent kommunale Verteuerungen vor bis zum Kindergartengeld. Wien ist heute ein Hochpreiszentrum geworden, das man sich kaum noch leisten kann.

STANDARD: Wie erklären Sie sich dann, dass die SPÖ von einem sehr hohen Level noch weiter zulegt?

Strache: Weil in Wirklichkeit nicht Michael Häupl und die SPÖ gewählt werden, sondern weil diese Wahl eine sein wird, die sich gegen die schwarz-orange Bundesregierung richten wird. Das ist der Hintergrund.

STANDARD: Stört es Sie eigentlich, als "der neue Haider" bezeichnet zu werden?

Strache: Ich bin der erste Strache in der Politik. Ich schau auch ganz anders aus. Ich habe auch andere Interessen und Neigungen. Bei mir steht Kontinuität und Verlässlichkeit und Ehrlichkeit im Vordergrund. Das ist das, was uns im Wesentlichen unterscheidet.

STANDARD: Rhetorisch und thematisch unterscheiden Sie sich aber nur rudimentär. Ist das unbewusst geschehen, oder hat Ihnen das gefallen?

Strache: Ich habe einen anderen Dialekt als er. Inhaltlich betreibe ich halt freiheitliche Politik, die er verlassen hat. Jahrelang hat Haider ja die richtigen Themen gespielt. Er hat dann den Weg verlassen und eine ÖVP-Politik gemacht. Ich bin keiner, der im Liegen umfällt. Ich bin so wie ich bin, mit Stärken und Schwächen.

STANDARD: Was sind Ihre Schwächen?

Strache: Vielleicht, dass ich nicht immer geduldig genug bin. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.08.2005)