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Studentenproteste in Baku im Juli dieses Jahres.

Foto: REUTERS/Jeyhun Abdulla
Baku/Wien - 2000 Dollar kostet ein Putsch in Aserbaidschan, der früheren Sowjetrepublik am Kaspischen Meer und einem der bedeutendsten Öl-und Gasproduzenten in der Region. Das zumindest ist die Auffassung der Behörden, die den Führer der Jugend- und Studentenbewegung "Yeni Fikir" (Neues Denken), Ruslan Bashirli, unter dem Vorwurf der Staatsverschwörung festnehmen ließen.

Bashirli soll im vergangenen Juli in einem Restaurant in Tiflis armenische Agenten getroffen und dabei 2000 Dollar angenommen haben für das Versprechen, eine Revolution in Aserbaidschan anzuzetteln. Weil Aserbaidschans Oppositionelle keinen Schritt ohne den wachsamen Blick der Staatsorgane tun, ist das Treffen in der georgischen Hauptstadt heimlich gefilmt und im Fernsehen gezeigt worden.

Die Versionen über die Geldgeber gehen auseinander - neben den mit Aserbaidschan verfeindete Armeniern soll es eine befreundete georgische NGO gewesen sein, vielleicht auch das US-amerikanische National Democratic Institute - und ebenso Angaben über die Umstände des Treffens. Bashirli sei betrunken gewesen und hätte das Geld schon am nächsten Tag zurückgegeben, sagten seine Freunde; er hätte das Geld zum Teil für seine eigene Hochzeit verwenden wollen, erklärte dagegen sein Anwalt.

Bashirlis Verhaftung, die am Dienstag eine Protesterklärung der OSZE-Mission in Baku nach sich zog und Zusammenstöße auf den Straßen, ist symptomatisch für die große Anspannung der Regierung von Staatschef Ilham Aliew vor den Parlamentswahlen im November. Die Oppositionsparteien kündigten bereits an, sie würden bei aus ihrer Sicht gefälschten Wahlen einen Aufstand nach dem Vorbild der Ex-Sowjetrepubliken Georgien, Ukraine und Kirgistan herbeiführen. (mab/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.08.2005)